Saastal Bergbahnen | Pirmin Zurbriggen tritt als VR-Präsident zurück

«In der aktuellen Konstellation war nichts mehr zu bewegen»

Saastal Bergbahnen. Pirmin Zurbriggen reichte am Donnerstagabend seine sofortige Demission als Präsident des Verwaltungsrates ein.
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Saastal Bergbahnen. Pirmin Zurbriggen reichte am Donnerstagabend seine sofortige Demission als Präsident des Verwaltungsrates ein.
Foto: Walliser Bote

Quelle: 1815.ch /tr 0

Seit der turbulenten GV vom 13. April 2018 sind die Fragezeichen über der Zukunft der Saastal Bergbahnen noch grösser als vorher. Jetzt zieht Verwaltungsratspräsident ­Pirmin Zurbriggen die Konsequenzen – und tritt zurück.

Am Donnerstagabend orientierte Zurbriggen die Mitglieder des STB-Verwaltungsrates, dass er ab sofort nicht mehr als Präsident zur Verfügung stehe. Er wolle damit den Weg freimachen für einen Neuanfang ohne seine Person.

Ob das für die STB AG eine gute oder eine schlechte Nachricht darstellt, wird die Zukunft weisen. Zurbriggen sagte gegenüber dem WB, dass er nach reiflicher Überlegung zum Entschluss gekommen sei, seinen Rücktritt einzureichen. Denn er habe mit viel persönlichem Engagement alles unternommen, die zerstrittenen Meinungen der verschiedenen Interessengruppen zu vereinen. Es sei leider nicht möglich gewesen.

Pirmin Zurbriggen, was hat Sie zu Ihrem Rücktritt bewogen?

«Sie wissen, dass die Generalversammlung am 13. April sich entgegen dem Antrag des Verwaltungsrates dazu entschieden hat, einen Kapitalschnitt vorzunehmen mit anschliessender Kapitalerhöhung. Damit sagte die Mehrheit der Aktionäre Nein zur finanziellen Sanierung der Gesellschaft, die unbestritten notwendig ist.»

Man kann als Präsident halt auch mal verlieren…

«Damit habe und hatte ich kein Problem. Die Art und Weise aber, mit der Grossaktionär Edmond Offermann ­wenige Stunden vor der GV einen ­Strategiewechsel forderte und dann an der Versammlung gegen meine Person und Mitglieder des Verwaltungsrates loszog, ist inakzeptabel. Ich distan­ziere mich auch heute noch ganz klar von seiner Strategie und seinem Handeln. Dies alles liess in mir den Entschluss reifen, nicht mehr weiterzumachen.»

Warum haben Sie nicht schon ­direkt an der GV Ihren Rücktritt eingereicht?

«So schnell gibt man nicht auf. Da meldete sich auch mein Sportler-Herz. Grundsätzlich wäre ich ja bereit gewesen, im Interesse der Zukunft der Destination Saastal meinen Beitrag weiterhin zu leisten. Also wollte ich erst mal etwas Gras drüber wachsen lassen, statt einen voreiligen Entscheid fällen, von Emotionen gesteuert.»

Was passierte seither?

«In den vergangenen Wochen zeigte sich, dass es unmöglich ist, in der aktuellen Konstellation noch etwas zu bewegen. Ich glaubte bis zuletzt an eine konstruktive Diskussion mit der Möglichkeit eines sauberen Übergangs. Leider bekam ich keine klaren Antworten, auch nicht seitens der Gemeinde Saas-Fee. Alles wirkt vage, ohne klare Richtung.»

Was hätten denn Sie gewollt?

«Ich habe schon im Vorfeld der GV alles unternommen, um zu verhindern, dass ein einzelner Aktionär die Mehrheit erhält und das alleinige Sagen bekommt. Hinter dieser Haltung stehe ich weiterhin. Für mich stimmt diese Philosophie für den grössten Leistungsträger des Tourismus im Saastal nicht. Ich wehrte mich gegen diesen drohenden Ausverkauf der Heimat und wir wollten das Aktienkapital auf mehrere neue Investoren verteilen, welche mir die Unterstützung zugesagt hatten. Wenn man jedoch diese Strategie nicht will, ist es für mich auch Zeit, das Feld zu räumen und so allenfalls einen Neustart zu ermöglichen.»

Wie könnte der aussehen?

«Das werden nun jene zu bestimmen haben, die künftig die Verantwortung übernehmen.»

Eine Sanierung bleibt aber weiterhin unumgänglich.

«Das ist so. Die WinterCard-Aktion hat uns kurzfristig das Liquiditätsproblem gelöst, sodass wir das letztjährige Geschäftsjahr mit einem kleinen Gewinn abschliessen konnten. Deshalb stehe ich nach wie vor voll dahinter. Wir haben immerhin deutlich über 60 000 Abonnements verkauft. Das gab uns Luft für den Moment, aber nicht Luft für die Zukunft. Das wussten wir alle. Die Sanierung ist der Schritt, der als nächster zu tun ist.»

Sehen Sie dabei Rainer Flaig, CEO und VR-Delegierter, nach wie vor in einer massgeblichen Position?

«Rainer Flaig und die ganze Geschäftsleitung haben einen sehr guten Job gemacht. Ich schätze ihre Arbeit hoch ein und habe ihnen dafür zu danken.»

Also fehlt(e) es am Verwaltungsrat mit den (zu) unterschiedlichen Interessen?

«Wieder einmal zeigt sich, wie wichtig es ist, wenn ein Verwaltungsrat im gemeinsamen Vertrauen arbeiten kann und eine Einheit bildet.»

Wie kann es unter diesen schwierigen Voraussetzungen weitergehen?

«Was ich weiss, ist, dass man sich wird finden müssen. Wirtschaft und Politik müssen aufeinander zugehen und gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Ohne eine baldige, konstruktive Zusammenarbeit, Eigeninitiative und Risikobereitschaft wird es die Destination Saastal im internationalen Wettbewerb jedoch sehr schwer haben. Ich wünsche mir, dass dies den neuen Verantwortlichen baldmöglichst gelingt.»

Interview: Thomas Rieder

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