Coronavirus | Die kolumbianische Millionenmetropole Bogotá ist lahmgelegt. Und Lehrer Otto Imsand ist mittendrin

«Es ist gespenstisch in der Stadt»

Geschlossen. Auch am ‹Colegio Helvetia› steht für die Schüler virtueller Unterricht an.
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Geschlossen. Auch am ‹Colegio Helvetia› steht für die Schüler virtueller Unterricht an.
Foto: zvg

Südamerika. Seit Sommer 2018 ist Bogotá die neue Heimat für den Natischer Otto Imsand.
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Südamerika. Seit Sommer 2018 ist Bogotá die neue Heimat für den Natischer Otto Imsand.
Foto: mengis media/alain amherd

Leergefegt. Der Verkehr auf den Strassen Bogotás ist quasi zum Erliegen gekommen.
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Leergefegt. Der Verkehr auf den Strassen Bogotás ist quasi zum Erliegen gekommen.
Foto: zvg

Quelle: 1815.ch 0

Bogotá | In Kolumbiens Hauptstadt unterrichtet Otto Imsand an einer Schweizer Privatschule. Das Coronavirus bestimmt auch den Alltag des 57-jährigen Natischers. Es gilt eine landesweite Ausgangssperre.

Sein erstes Schuljahr an der Auslandschweizerschule in Bogotá hat sich Otto Imsand sicherlich anders vorgestellt. Aber der Kampf gegen das Coronavirus zwingt auch seinen südamerikanischen Arbeitgeber, das ‹Colegio Helvetia›, zu Flexibilität. Seit dem 18. März werden die Schüler per Videokonferenz oder Chat unterrichtet. Ähnlich wie in der Schweiz. Jedoch mit einem Unterschied. Imsand erklärt: «Im Gegensatz zum Wallis ziehen wir das Programm normal weiter. Es gibt also nicht nur Repetitionen.» Er ist froh, den Schulstoff auch virtuell wie geplant vermitteln zu können. Der Natischer betont aber: «Unsere Privatschule darf man nicht mit einer öffentlichen Schule in der Schweiz vergleichen.» Man zähle sicher mehr IT-Leute, Psychologen und andere Fachleute als eine «gewöhnliche» Institution.

Mündlich werden die Jugendlichen nach wie vor benotet. Schriftlich hingegen noch nicht. Wie das Schuljahr am ‹Colegio Helvetia› konkret zu Ende gehen soll, ist noch nicht bis ins Detail geklärt. «Unsere Schüler werden die Matura aber machen können», weiss Imsand. Auch die Zulassungen für die Abschlussklassen an die kolumbianischen Universitäten sei gewährleistet. «Ziel ist es, dass die Schüler unter der Situation so wenig wie möglich zu leiden haben.»

Seit Freitag sind Ferien. Zwei schulfreie Wochen stehen an. Viel zu unternehmen gibt es allerdings nicht. Die Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt. In der Hauptstadt sowie im gesamten Land gilt eine Ausgangssperre.

Strikte Kontrollen durch Polizei und Militär

Wie in der Schweiz sind auch in Kolumbien alle Geschäfte ausser den Lebensmittelläden geschlossen. Pro Haushalt darf nur eine Person den Einkauf erledigen. «In unserer Zone im Norden der Stadt wird das gut eingehalten und von der Polizei und dem Militär auch strikt kontrolliert», schildert Imsand. «In ärmeren Gegenden sind mehr Leute auf den Strassen. Viele leben da von der Hand in den Mund und wissen in diesen Tagen nicht, wovon sie sich ernähren sollen.» Mit Lebensmitteln versuche die Regierung zu helfen, wo sie könne. Und auch finanziell will man die Bevölkerung entlasten. Imsand: «Während der Qurantäne-Zeit muss man Wasser und Strom nicht bezahlen, auch die Steuerzahlungen wurden verschoben.»

Mit der landesweiten Sperre, die vorerst bis zum 13. April gilt, sind auch alle Land-, Fluss- und Seegrenzen geschlossen. Der internationale Flugverkehr ist ausgesetzt. Für Imsand und seine Ehefrau Claudia sind damit auch die geplanten Besuche aus der Schweiz ins Wasser gefallen.

Beklemmende Stille

Das Leben in Kolumbien und insbesondere in der sonst pulsierenden Millionenmetropole Bogotá ist quasi zum Stillstand gekommen. «Es ist ein wenig gespenstisch in der Stadt. Vor allem abends», erklärt Imsand. Der Verkehr auf den Strassen sei praktisch zum Erliegen gekommen. Und: «Fast alle Leute laufen allein und mit Schutzmaske herum.» Die Grundversorgung funktioniere. Sogar Toilettenpapier stehe im Angebot. Dazu Imsand: «Ein Freund, der von der Hamsterei in der Schweiz las, sagte mir, dass die Schweizer wohl mit einem saubereren Hintern erkranken als die Kolumbianer.»

Bis dato (Stand 5. April, Anm. d. Red.) zählt der 50-Millionen-Staat Kolumbien 1485 Infizierte und 35 Todesopfer. «Es heisst, es gebe genügend Spitalbetten und die Versorgung sei gewährleistet», so Imsand. «Allerdings möchte ich das nicht testen und hoffe, nicht zu erkranken.»

Rückkehr nach Südamerika

Imsand lebt und arbeitet seit vergangenem Sommer in Kolumbiens Hauptstadt. Sein Engagement an der Auslandschweizerschule dauert drei Jahre. Bogotá bedeutet für den Natischer und seine Ehefrau eine Rückkehr nach Südamerika. Bereits von 1989 bis 1993 und von 2000 bis 2013 unterrichtete der Natischer in Südamerika. Und zwar in Peru. Dazwischen folgten Stationen in Naters, Mailand und zuletzt Fiesch.

Matthias Summermatter

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