Interview | Lo & Leduc sind angesagt wie nie. Und trotzdem:

«Mit Musik machst du keine Millionen»

Lo & Leduc. Lorenz Häberli und Luc Oggier (rechts) sind musikalisch im Hoch.
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Lo & Leduc. Lorenz Häberli und Luc Oggier (rechts) sind musikalisch im Hoch.
Foto: Wb/Alain Amherd

Quelle: 1815.ch 0

Die beiden Musiker Luc ­Oggier und Lorenz Häberli vom Berner Mundart-Duo Lo & Leduc haben ein verrücktes Jahr hinter sich. Im WB-Interview sprechen sie über den Hype um sie.

Im letzten Jahr wollten die Veranstalter des Open Air Gampel in einer Umfrage von ihren Besuchern wissen, was sie sich für dieses Jahr wünschen würden. Was denkt ihr, könnte das gewesen sein?

Lo: «Ich weiss es nicht. Aber sehr wahrscheinlich haben sie sich einfach ein gutes Fest gewünscht, so wie jedes Jahr.»

Sie haben sich Lo & Leduc ­gewünscht…

Lo: «Nein. Wirklich?!»

Ist das überraschend? Oder darf man das nach all den ­Erfolgen in den letzten ­Jahren erwarten?

Leduc: «Nein, das muss einen überraschen. Aber bei deiner Frage hat man es schon ein wenig ‹geschmeckt›. Trotzdem ist es verrückt. Das haben wir sicherlich auch unserem Erfolg mit ‹079› im letzten Jahr zu verdanken. Das war verrückt. 2019 ist zwar ein anderes Jahr. Wir müssen uns aber dennoch bewusst sein, dass auch in diesem Jahr noch Dinge passieren, die mit dem letzten zu tun haben.»

Setzt euch dieser grosse ­Erfolg, den ihr mit dem ­Sommerhit «079» hattet, auch ein wenig unter Druck?

Lo: «Ich glaube, es ist wichtig, dass man sich davon distanziert und Abstand gewinnt. Aber der Hype war real. Wir versuchen, einfach unverdrossen das weiterzumachen, was wir schon seit zehn Jahren machen und auch die neun Jahre vor ‹079› gemacht haben. Auch noch jetzt. Einfach neue Musik und neue ­Konzerte spielen. Und am 30. August kommt auch unsere neue EP heraus.»

Die neue EP heisst zufälligerweise «Hype». Hängt der Name mit eurem Erfolg aus dem letzten Jahr zusammen?

Leduc: «Das Wort Hype haben wir jetzt schon ein paar Jahre gehört. Auch schon beim Song ‹Jung verdammt›. Vom Begriff Hype haben wir uns immer versucht zu distanzieren. Denn Hype heisst nichts anderes, als das irgendwann eine Blase platzt. Eine Erkenntnis war aber auch, dass wir uns nicht gegen etwas zur Wehr setzen müssen, das ein Fakt ist. Und dass es ein Hype ist, ist ein Fakt und so eben real. Deshalb muss man anfangen, sich damit auseinanderzusetzen. Man muss aber auch wissen, dass man das nie ganz zur Seite legen kann. Schlussendlich ist es bei neuen Liedern wirklich egal, was im letzten Jahr war. Aber dass der Vergleich gemacht wird, ist völlig logisch.»

Ist der Titel «Hype» auch eine Anspielung auf die Gesellschaft im Allgemeinen.
Dass ihr auch sonst vielerorts Hypes seht? Beispiels­weise beim Thema Klima­erwärmung?

Lo: «Die Klimaerwärmung ist glaube ich kein Hype. Das Klima ist einfach gehypt, ist viel zu weit oben und kommt nicht mehr runter, wenn wir nicht aufpassen. Aber der erste Teil von dem, was du sagst, stimmt sicher. Hype ist überall zu finden. Wir haben eine Single he­rausgebracht, die heisst ‹online› und die zeigt, dass es vorkommen kann, dass von zwei Personen nur eine gehypt ist.»

In «online» und «079» stehen Mobiltelefone und die zwischenmenschliche Kommunikation im Vordergrund…

Leduc: «Das ist ja für jeden, der im Jahr 2019 lebt, ein Thema. Dann kann man sich sicher fragen: ‹Das ist ja komisch. Jetzt machen sie schon wieder ein Lied über dieses Thema.› Aber wenn man sieht, wie oft wir heute mit technischen Geräten hantieren, dann ist es einfach eine gesellschaftliche Realität. Und aus meiner Sicht macht gerade das Texte stark, wenn sie sich mit den Realitäten auseinandersetzen. So wie man beim Hip-Hop häufig sagt, dass bei denen immer alles so aggressiv und voller Gewalt ist. Vielleicht ist das einfach die Welt, und sie sagen es.»

Können die technischen ­Mittel vielleicht auch ein ­Problem sein in der ­Kommunikation?

Leduc: «Das kann ein Problem sein. Aber das kann es auch schon früher gewesen sein, wenn sich die Leute Faxe zugeschickt haben. Der eine hat viel mehr gefaxt als der andere. Oder noch früher mit den Pergamentrollen war das sicher eine Riesensache. Die waren schwierig herzustellen, und der eine hat dann einfach immer alles voll geschrieben – und der andere nicht. Was ich sagen will: Es kommt überhaupt nicht aufs Format an oder auf den Kanal. Die haben alle ihre Vor- und Nachteile, die bei jeder Medienrevolution wieder neu beurteilt werden müssen. Man muss sich sicher bewusst sein, worin die Stärken und Gefahren von neuen Formaten liegen.»

Ihr wart drei Mal in Frauenfeld, mehrere Mal am Gurten und heute zum dritten Mal in Gampel. Wo steht Gampel in einer Rangliste der Schweizer Sommerfestivals?

Lo: « Sicher sehr weit oben. Das ist jetzt natürlich sozial erwünscht, dass ich das sage. Ich kann ja jetzt kaum das Gegenteil behaupten. Aber es ist tatsächlich so, und das ist wirklich nicht gelogen, dass wir uns jedes Mal sehr freuen hier zu spielen. Es ist grundsätzlich ein sehr spezieller Ort, und wir fühlen uns dem Wallis auch sehr verbunden. So haben wir diverse Lieder in Brig geschrieben. Im Wallis kommt auch so etwas wie Tour-Feeling auf. Wir kommen bei den Konzerten schon ein wenig herum. Wenn man in der Schweiz Mundartmusik macht, ist das Wallis mitunter das Weiteste, wohin man gehen kann.»

Wenn das in den nächsten Jahren mit dem Hype oder auch nicht Hype um euch
so weitergehen sollte…
Was würden Lo & Leduc als ­Millionäre tun? Immer noch Musik?

Leduc: «Ja, hoffentlich, aber da muss ich wirklich beim Konjunktiv bleiben. Wenn man Millionen machen will, dann muss man nicht mit dem Musizieren anfangen. Deshalb an alle Jungen: Fangt einfach an, Musik zu machen. Das macht euch glücklich. Und das ist es, was sich der Börsenmann am Ende trotzdem nicht kaufen kann. Und deshalb vermisse ich auch all die Millionen nicht, an die nie kommen werden.»

Interview: Martin Schmidt

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