Sion 2026 | WWF-Geschäftsführerin Laura Schmid spricht sich gegen Sion 2026 aus

«Olympia passt nicht ins Wallis»

Olympia-Gegnerin. «Unsere Alpen brauchen mehr Schutz und eine nachhaltige Entwicklung: Olympische Spiele sind das Gegenteil davon», sagt Laura Schmid.
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Olympia-Gegnerin. «Unsere Alpen brauchen mehr Schutz und eine nachhaltige Entwicklung: Olympische Spiele sind das Gegenteil davon», sagt Laura Schmid.
Foto: zvg

Quelle: 1815.ch 0

BRIG-GLIS. Am Dienstag weibelte die FDP Wallis mit grossem Engagement für eine Olympiakandidatur Sion 2026. Doch es gibt auch kritische Stimmen im Wallis. So spricht sich unter anderem der WWF Wallis gegen den Sport-Grossanlass aus.

Laura Schmid, die Promotoren sagen, dass Sion 2026 ermöglicht, unsere Werte und unser Image weltweit zur Schau zu stellen. Das brächte langfristig mehr Touristen ins Land.

«Wenn man sich positioniert und Werbung betreibt als Veranstalter für einen Massenevent, dann wirbt man für sich als Destination für Massentourismus. Sinnvoller wäre es, dass sich das Wallis Gedanken darüber macht, wo es touristisch gesehen langfristig hinwill, welche Art von Tourismus es anziehen will. Und zwar nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer. Das Wallis zeichnet sich aus durch seine heimeligen, kleinräumigen Dörfer und Alpen und durch seine intakte Natur. Dieses Image sollte man in die Welt hinausschicken und nicht jenes für einen Massentourismus, denn diese Art von Tourismus passt nicht zum Wallis.»

In seinen Leitlinien hat sich das IOC der Förderung nachhaltiger Entwicklung verschrieben. Als kleines Land hätte die Schweiz somit gute Chancen, den Zuschlag zu erhalten.

«Die Chancen kann ich nicht beurteilen. Was die Förderung der Nachhaltigkeit betrifft, bin ich sehr skeptisch gegenüber den Aussagen des IOC. Die Nachhaltigkeitsrichtlinien haben mehr den Charakter von Empfehlungen, die sich gut lesen lassen, aber keineswegs verbindlich sind. Gleichzeitig hat sich das IOC bei der Vergabe der letzten Spiele nicht an seine Richtlinien gehalten. Bei der Vergabe der Spiele 2022 ging die schneereiche Region Kasachstan, wo bereits acht von den 14 erforderlichen Anlagen bestanden, leer aus. Stattdessen vergab man die Spiele nach Peking. Eine Region, wo es gar keinen Schnee gibt und man über keine Wintersport-Tradition und damit keine entsprechenden Anlagen verfügt. Das IOC setzt also doch lieber auf glitzernde Neubauten als auf sanierte Anlagen. Es ist also in Sachen Nachhaltigkeit kein glaubwürdiger Partner. Man darf nicht vergessen, dass die Spiele und Ansprüche des IOC in den letzten Jahrzehnten immer gewachsen sind. Es ist eine Illusion zu glauben, das Wallis könnte dem IOC einen Verkleinerungskurs schmackhaft machen.»

Die Promotoren für Sion 2026 wollen die Neubauten für die Spiele aufs Notwendigste beschränken. Das meiste der notwendigen 100 Millionen Franken soll in die Sanierung bestehender Anlagen fliessen. Ist das realistisch?

«Diese Zahlen scheinen mir untertrieben. Vor allem auch, weil darin die Aufwendungen für die Sicherheit nicht enthalten sind. Bei Grossanlässen müssen heute für Terrorprävention gigantische Summen aufgewendet werden. Und aus Erfahrung weiss man, dass Spiele letztlich meistens mehr kosten als ursprünglich kalkuliert. Kommt hinzu, dass die Anlagen auf einen zweiwöchigen Ausnahmezustand hin erneuert werden müssen. Diese überdimensionierten Wintersportstätten sind in der Folge im Unterhalt teuer. Ich bin nicht gegen eine Sanierung von Anlagen, aber sie müssen angepasst sein auf die Bedürfnisse eines Wallis im Normal- und nicht in einem Sonderzustand.»

Olympische Spiele würden als schöner Nebeneffekt mit Sicherheit auch zur Modernisierung und Renovation der Infrastruktur im Wallis beitragen, was sicherlich zu begrüssen wäre.

«Die Schweiz und das Wallis sind nicht bekannt dafür, dass sie ihre Infrastrukturen verlottern lassen. Ich stehe auch für einen Unterhalt von Infrastruktur ein, nur glaube ich nicht, dass wir dazu Olympische Spiele brauchen. Das lässt sich auch ohne Winterspiele machen. Auf einem Niveau eben, das uns angepasst ist. Die Autobahn durchs Rhonetal kommt mit oder ohne Olympia.»

Es ist vorgesehen, dass das Wallis bis zu den Spielen 2026 jährlich 16 Millionen Franken bereitstellt. Das scheint verkraftbar im Vergleich zum 3,2-Milliarden-Budget des Kantons.

«Die Frage ist eher die, ob das eine realistische Berechnung ist und das Geld dafür reicht. Es würde mich überhaupt nicht überraschen, wenn für die Vorbereitung der Spiele Jahr für Jahr mehr Geld aufgewendet werden muss und diese immer teurer werden. Das ist oft so bei der Organisation von MegaAnlässen.»

Den Lead beim Dossier Sion 2026 hat die Walliser Regierung. Welches Verhalten erwarten Sie vom zuständigen Staatsrat Frédéric Favre?

«Dass er nicht direkt nur den Olympia-Traum träumt, sondern die Kandidatur sauber und unvoreingenommen prüft. Er muss die Bevölkerung insbesondere auch über die potenziellen finanziellen Lasten und jene für die Natur und die Umwelt klar und offen informieren. Nicht angebracht ist ein einseitiges Auftreten als Olympia-Promotor.»

Letztlich wird sich wohl das Walliservolk an der Urne zu einer Kandidatur zu äussern haben. Wird es sich gegen oder für Sion 2026 entscheiden?

«Ich glaube, dass die Walliser im Gegensatz zu 1996 viel skeptischer geworden sind. Nach Sotschi werden viele Walliser zum Schluss kommen, dass Olympische Spiele in ihrer heutigen Ausgestaltung nicht zum Wallis passen und Anlässe dieser Art schlicht zu gross sind für unseren sensiblen kleinen Alpenraum. Zu diesem Schluss kamen im Übrigen die Bündner, die im vergangenen Jahr den Olympia-Träumen der Bündner Regierung an der Urne eine Abfuhr erteilten. Für mich ist klar: Unsere Alpen brauchen mehrSchutz und eine nachhaltige Entwicklung: Olympische Spiele sind das Gegenteil davon.»

Interview: zen

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