Energie | Windpark Gries produzierte auch 2019 markant weniger Strom als budgetiert

Prestigeprojekt als Sorgenkind

Still. Der Windpark auf dem Griespass erfüllt die Erwartungen nicht. «Noch nicht», sagt Verwaltungsratspräsident Martin Senn.Foto zvg
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Still. Der Windpark auf dem Griespass erfüllt die Erwartungen nicht. «Noch nicht», sagt Verwaltungsratspräsident Martin Senn.Foto zvg
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Obergoms | Der Windpark Gries kommt nicht auf Touren. Auch im letzten Geschäftsjahr wurde das Produktionsziel verfehlt. Deutlich. Nun soll alles besser werden.

Armin Bregy

Der Windpark Gries steht weiter im Gegenwind. Die Ziele für das vergangene Produktionsjahr wurden deutlich verfehlt. Energie Wasser Luzern (ewl) bestätigt auf Anfrage entsprechende Informationen dieser Zeitung. «Die Produktion im vergangenen Jahr betrug 6,9 Gigawattstunden (GWh), budgetiert waren 10,3 GWh.»

Die ewl ist mit knapp 70 Prozent Mehrheitsaktionärin der Gries Wind AG. Das im 2016 mit viel Prominenz eingeweihte Prestigeprojekt bleibt somit ein Sorgenkind des Stadtluzerner Energiekonzerns.

Viele Gründe, keine Details

Bereits in den Vorjahren blieb die Energieproduktion des Windparks deutlich hinter den Erwartungen zurück. 2018 lag die Auslastung mit rund 5,25 geleisteten GWh bei gerade mal 6,4 Prozent, ein Jahr zuvor wurden 7,8 GWh produziert. Im Juni 2019 sagte Martin Senn, Initiant und Verwaltungsratspräsident der Gries Wind AG, dass die Perspektiven für den Windpark problematisch seien, könne man die Produktion künftig nicht steigern. «Ende 2019 wissen wir mehr», so Senn damals.

Nun also erneut ein schwaches Produktionsjahr. Was dies für den Windpark Gries heisst, bleibt vorerst offen. Sicher ist, dass Senn weiter an den Obergommer Windpark glaubt. Und die ewl teilt mit, dass Revisionsarbeiten des Netzbetreibers ein Grund für das schlechte Ergebnis seien, da man während dreier Wochen keinen Strom habe abtransportieren können. Künftig erwartet der Konzern bessere Ergebnisse. Wie man den Turnaround schaffen will, wird indes nicht kommuniziert. «In diesem Jahr werden Massnahmen zur Stabilisierung der Bilanz eingeleitet. Details dazu geben wir keine bekannt», zeigt sich die ewl zugeknöpft.

Wer zahlt die Zeche?

Entwickelt und produziert wurden die Anlagen auf dem Griespass von der deutschen Enercon GmbH. Weil der Windpark weniger Energie produziert als ursprünglich prognostiziert, stehen markante Schadenersatzforderungen gegenüber der Enercon im Raum. Dabei soll es
um Beträge über 1,2 Millionen Franken gehen.

«In diesem Jahr ­werden Massnahmen zur Stabilisierung
der Bilanz eingeleitet»

Enercon teilt mit, dass man den Sachverhalt hinsichtlich der Windenergieanlagen auf dem Griesspass prüfe und dazu in engem Austausch mit dem Kunden stehe. «Vor Abschluss dieses Dialogs äussern wir uns bewusst nicht zu den von Ihnen angesprochenen Punkten, um Spekulationen und Schuldzuweisungen keinen Vorschub zu leisten. Vorläufige Schadenersatzforderungen weist Enercon vor diesem Hintergrund zurück», so die Medienstelle der Enercon. Die ewl spricht ihrerseits von einer «intensiven Zusammenarbeit mit Enercon». «Es werden laufend technische Optimierungen durchgeführt, um die Leistung
zu steigern», schreibt das Luzerner Unternehmen.

Windpark-Pionier Martin Senn betont, dass man aktuell ein Massnahmenpaket ausarbeite, das ab März umgesetzt werden solle. Sicher sei, dass man die Blattheizungen für die 45 Meter langen Rotorblätter optimieren müsse. Senn führt zudem schlechte Rahmenbedienungen für das durchzogene Ergebnis ins Feld. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden gestalte sich nicht immer ganz einfach, etwa in Bezug auf das Vogel- und Fledermausmonitoring. Dieses wirke sich negativ auf die Produktivität des Windparks aus, sagt Senn.

Kritische Naturschützer

Derweil häuft sich die Kritik an Windpärken in alpinen Regionen. So sagte Eva-Maria Kläy in der «RhoneZeitung» von gestern Donnerstag, dass der Alpenraum kein geeigneter Ort für den Betrieb von Windrädern sei. «Es darf bezweifelt werden, das der finanzielle Aufwand, aber auch die Menge an aufgewendeter Energie für Herstellung, Transport und Installation einer Windturbine im Gebirge durch die später gewonnene Energie wettgemacht wird», so die Geschäftsführerin von Pro Natura Oberwallis.

Und selbst Suisse Eole, die Vereinigung zur Förderung der Windenergie in der Schweiz, zeigt sich mit Blick auf den Windpark Gries zurückhaltend. Man müsse berücksichtigen, dass die Anlage der höchstgelegene Windpark Europas sei. «Das harsche Klima, die Topografie und die eingeschränkte ­Zugänglichkeit im Winter stellen besondere Herausforderungen an die Windenergieanlagen. Betreffend die Produktion ist die Frage deshalb, ob es gelingt, die Herausforderungen so zu meistern, dass ein ausreichender Ertrag erreicht wird», so Suisse Eole. Derzeit muss diese Frage mit Nein ­beantwortet werden.

bra

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