Vier Sexting-Fälle

«Rasend schnell im Oberwallis verbreitet»

Das Pro-Juventute-Plakat zur Sexting-Kampagne
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Das Pro-Juventute-Plakat zur Sexting-Kampagne
Foto: Keystone

Quelle: 1815.ch 25.08.14 0
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Im vergangenen Schuljahr kam es an den Oberwalliser Schulen zu vier Fällen von Sexting. Experten sprechen Klartext.

Die Pro-Juventute-Kampagne «Sexting kann dich berühmt machen. Auch wenn du es gar nicht willst» wurde vergangenen Herbst lanciert. Bis dahin war das Thema in der Öffentlichkeit nicht sehr präsent - oder zumindest nicht unter der Bezeichnung «Sexting».

Der Ausdruck setzt sich aus den beiden englischen Wörtern «sex» und «texting» zusammen und bezeichnet den Austausch selbst produzierter intimer Fotos von sich oder anderen via Internet oder Mobiltelefon.

Im ganzen Oberwallis verbreitet

Auch an Oberwalliser Schulen war Sexting im Schuljahr 2013/2014 ein Thema. Nach Auskunft von Mediensprecher Markus Rieder wurden der Kantonspolizei Wallis vier Fälle gemeldet. Bei den Betroffenen handelte es sich um Jugendliche auf OS-Stufe, zwischen 12 und 15 Jahre alt. Die Opfer waren allesamt Mädchen.

Wenn ein Sexting-Fall der Polizei gemeldet wird, werde zuerst einmal die Aussage des Opfers zu Protokoll genommen, erklärt Rieder das Vorgehen. Je nach Situation könne es sein, dass das Opfer mit seinen Sexting-Bildern oder -Videos erpresst werde. Falls dies der Fall sei, werde der Täter aufgesucht und vorläufig festgenommen.

Da vor allem Jugendliche betroffen seien, liege die Zuständigkeit hierfür beim Jugendgericht. Im Auftrag des Jugendgerichts oder der Staatsanwaltschaft erfolge denn auch eine Beschlagnahmung der elektronischen Datenträger, um die Aufnahme sicherstellen zu können.

Die Weiterverbreitung des pikanten Materials erfolgt jedoch sehr schnell. «Die Erfahrung zeigt, dass Bilder und Videos, die weitergeschickt wurden, sich rasend schnell im ganzen Oberwallis verbreiten. In dieser Situation ist es nicht mehr möglich, diese Dynamik zu stoppen», so Rieder.

Weiterverbreitung ist strafbar

Sexting-Fotos und -Videos werden oft als Kinderpornografie eingestuft, weshalb sich jeder, der diese weiterverbreitet strafbar macht. «Diese Personen werden von uns ermittelt, befragt und bei der Justiz wegen Pornografie verzeigt.»

Aber auch die jugendliche Person, welche sexuelle Handlungen an sich selbst aufnehme, mache sich strafbar wegen Herstellung von Kinderpornografie. Eine Ausnahme besteht laut Rieder für Minderjährige über 16 Jahren, wenn sie voneinander einvernehmlich pornografisches Material herstellen, besitzen oder konsumieren.

Von peinlich bis amüsant

Jean-Marc Briand und Geraldine Montani amten als Sozialarbeiter an den Schulen Naters beziehungsweise an der Orientierungsschule Visp. Die beiden differenzieren: «Selbstgemachte intime Fotos oder Videos sind an sich nichts Problematisches. Problematisch wird es, wenn diese für falsche Zwecke missbraucht werden.»

Auch die Reaktionen auf eine unwillentliche Verbreitung würden ganz unterschiedlich ausfallen: «Den einen ist es furchtbar peinlich, andere empfinden solches als normal oder sogar amüsant. Ein gewisser Anpassungsdruck an die Reaktion der Kollegen spielt mit. Man will gefallen und dazugehören.»

Überschätzte Medienkompetenz

Gehen Kinder und Jugendliche zu unvorsichtig mit den neuen Medien um? «Eltern überschätzen oft die Medienkompetenz ihrer Kinder. Kinder begreifen die neuen technischen Handhabungen zwar intuitiv und schnell, das Risiko-Bewusstsein im virtuellen Raum ist allerdings bescheiden - nicht nur das von Kindern, auch das vieler Erwachsener mit Vorbildfunktion.»

Die beiden Sozialarbeiter raten Eltern, mit ihrem Kind darüber zu reden, was es im Netz erlebt. So können sie ihre persönliche Ansicht einbringen, was sie als anstössig empfinden. «Ein entscheidendes Gesprächsthema ist auch der Druck, den eine Gruppe ausüben kann: Warum macht man mit? Warum nicht? Wer gehört dazu? Wann nicht mehr?»

«Real Life» vor Virtualität

Bei schambehafteten Themen kann man die Jugendlichen auch mal ermuntern, sich bei einer anderen Vertrauensperson auszusprechen. «Wir können uns als verschwiegener Gesprächspartner für Kinder, Familien und Lehrer anbieten, um persönliche Lösungen zu finden oder in Konflikten zu vermitteln.» Bei einem Missbrauch von intimen Daten etwa wird über Rechtliches, Handlungsmöglichkeiten und Konsequenzen informiert.

«Mit uns diskutieren Jugendliche aber auch über positivere Alternativen, sich selber darzustellen, wie sie ihre eigenen Vorzüge zur Geltung bringen wollen und allgemein über die mediale Inszenierung von Schönheit. 'Real Life' kommt immer noch vor Virtualität.»

Präventionsanlässe wie Elternveranstaltungen und Schülerworkshops zum verantwortungsvollen Umgang mit neuen Medien werden zunehmend fester Bestandteil an den Schulen.

 

Reflektieren Sie hier Ihren eigenen Medienkonsum.

25. August 2014, 07:00
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