Coronavirus | Corona-Massnahmen halten die Kunden fern – Kellereien suchen nach innovativen Verkaufskonzepten

Winzer bleiben auf Wein sitzen

Schwere Zeiten. Die Coronakrise trifft auch die Weinbranche hart (Bild: Weinernte bei Visperterminen)
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Schwere Zeiten. Die Coronakrise trifft auch die Weinbranche hart (Bild: Weinernte bei Visperterminen)
Foto: Keystone

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Keine Frühjahrsmessen, keine Hausdegustationen und auch keine Hotels oder Restaurants, die noch Wein bestellen: In vielen Weinkellereien sind die Umsätze komplett weggebrochen. Zur Schadensbegrenzung setzen die Betriebe auf Kurzarbeit und neue Absatzkanäle – Preiskampf inklusive.

«Die Kunden können nicht mehr zu uns oder wir nicht zu ihnen», sagt Andy Varonier, Geschäftsführer der Kellerei C. Varonier & Söhne AG (Varen) über die derzeitige Situation. Die Bundesmassnahmen im Kampf gegen das Coronavirus treffen die Walliser Winzer mit voller Härte. Zahlreiche Weinkellereien setzten in ihrer Verkaufsstrategie voll auf den direkten Kundenkontakt. Sei es mit Ständen an den zahlreichen Frühlingsmessen oder im Degustationsraum mit Wohlfühlambiente in der eigenen Kellerei. Doch Messen und Degustationen sind bis auf Weiteres verboten.

Einbussen zwischen 30 und 100 Prozent

Das spiegelt sich entsprechend in den Verkaufszahlen wider. «Für den März rechnen wir mit Umsatzeinbussen von 20 Prozent, im April dann bereits mit 80 Prozent», so Varonier. Verschont bleibt niemand. Der WB fragte bei einem Dutzend Weinkellereien nach. Alle sprachen von gravierenden Einbussen. Bei der Diroso Weinkellerei (Turtmann) sowie der Franz-Josef Mathier AG (Salgesch) belaufen sich die Mindereinnahmen gegenwärtig auf 30 Prozent. Auch bei der St. Jodern Kellerei liegen die Verkäufe deutlich unter jenen des vergangenen Jahres. Kellereien wie Cave du Rhodan (Salgesch), Gregor Kuonen Caveau de Salquenen AG oder Johanneli-Fi (Visp) sprechen mit Blick auf den Umsatz praktisch von Totalausfällen. «Wir verkaufen in erster Linie an Geschäftskunden wie Restaurantbetriebe oder den Glacier Express», sagt Rainer Zimmermann von der Kellerei Johanneli-Fi. Doch die Restaurants und Hotels im Land mussten vor über einer Woche schliessen. Und ohne Touristen hat auch der Glacier Express den Betrieb eingestellt.

Einzig wer einen Grossteil seiner Produktion an Grossverteiler wie Coop, Denner, Aldi oder Lidl verkauft, kann sich derzeit noch über einen gewissen Absatz freuen.

Kurzarbeit beantragt

Die grösseren Kellereien haben praktisch alle Kurzarbeit beantragt. Niemand weiss, wie lange die Situation andauern wird. Entsprechend müssen die Kosten so weit wie möglich gesenkt werden. Zahlreiche Temporär-Arbeiter, die in anderen Jahren an den Messeständen im Einsatz standen, konnten gar nicht erst aufgeboten werden. Im Rebbau muss die Arbeit aber weitergehen. Die Natur wartet nicht. Im Herbst steht die nächste Ernte an.

Die Kellereien versuchen derweil, neue Absatzkanäle zu finden. So werden die Onlineverkäufe forciert. Beispielsweise mit Spezialangeboten wie einem Quarantäne-Paket. Teils mit Erfolg – die Verkaufszahlen bewegen sich aber nach wie vor auf einem bescheidenen Niveau. Innovative Ideen sind gefragt. Als Ersatz für den fehlenden Kundenkontakt setzt Olivier Mounir in seiner Kellerei neu auf eine digitale Live-Weindegustation per Videostream, bei dem Kunden ein Probierset nach Hause bestellen und dann gemeinsam mit dem Experten verkosten.

Da aktuell alle Kellereien auf die Privatkunden schielen, ist dieses Kundensegment noch umkämpfter als gewöhnlich. In einer Situation mit ohnehin bereits übervollen Weinlagern in den Kellereien habe dies Rabattschlachten zur Folge, sagt Patrick Z’Brun, Geschäftsführer Domaines Chevaliers SA.

Die Hilfspakete des Kantons und des Bundes würden in die richtige Richtung gehen. Es werde aber auch À-fonds-perdu-Beiträge brauchen, ist gleich mehrfach zu hören. All jene Betriebe, die vor der Corona-Krise gesund aufgestellt waren, sollten dafür in Betracht kommen.

Positive Folgeeffekte?

Die Patrons geben sich den widrigen Umständen zum Trotz kämpferisch – und optimistisch. «Wir müssen positiv bleiben», sagt Andy Varonier. Sie setzen darauf, dass die aktuelle Situation am Ende auch positive Effekte haben könnte. «Wer weiss: Vielleicht gewinnen regionale Produkte nachhaltig an Stellenwert», so Mounir. Auch Diego Mathier wünscht sich, dass durch die Corona-Krise die Solidarität zum lokalen Gewerbe steigt. «Im Gegensatz zu den grossen Onlinehändlern, die derzeit profitieren, schaffen lokale Kleider-, Schuh- und alle anderen Läden in der Region Arbeitsplätze und generieren Steuereinnahmen», sagt der Geschäftsführer der Adrian & Diego Mathier Nouveau Salquenen AG.

Ein weiterer Hoffnungsschimmer: Wenn die Leute deutlich mehr daheim sind, könnten die privaten Weinkeller demnächst zur Neige gehen. Und die Bestellungen wieder anziehen.

Martin Schmidt

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