Grossraubtiere | Schäfer der Region vor Frühjahrsweidgang verunsichert

Wolf tötet Schafe vor Wohnhäusern

Schäfer Remo Kenzelmann vor den Wohhäusern in Zeneggen, wo einer der Augstbordwölfe einige seiner Schwarznasenschafe am Dienstag tötete.
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Schäfer Remo Kenzelmann vor den Wohhäusern in Zeneggen, wo einer der Augstbordwölfe einige seiner Schwarznasenschafe am Dienstag tötete.
Foto: 1815.ch

Blick auf den Dorfteil Esch in Zeneggen, wo am Dienstag ein Wolf in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern mehrere Schafe riss.
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Blick auf den Dorfteil Esch in Zeneggen, wo am Dienstag ein Wolf in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern mehrere Schafe riss.
Foto: 1815.ch

Quelle: 1815.ch 30

Wenige Meter von bewohnten Häusern entfernt hat in Zeneggen einer der Augstbord-Wölfe am Dienstag Schafe gerissen. Der betroffene Schäfer verlor dabei vier wertvolle Zuchttiere.

Schafhalter Remo Kenzelmann (64) hat am Montag 21 seiner 35 Schwarznasenschafe erstmals in diesem Jahr auf eine gezäunte Weide zwischen Wohnhäusern im Dorfteil Esch unweit seiner Stallung auf saftiges Frühjahrsgrün geführt. Das praktiziert er schon seit Jahrzehnten so.

Schwer verletzt, aber nicht getötet

«Am Dienstag gegen sieben Uhr wollte ich sehen, wie die Tiere die erste Nacht im Freien überstanden haben. Beim Betreten der Weide entdeckte ich zwei Schafe tot am Boden liegen. Sie waren schlimm zugerichtet. Ein weiteres wies massive Verletzungen am Hals und am Bauch auf, lebte aber noch und hatte offensichtlich grosse Schmerzen. Der Wildhüter musste es von seinen Qualen mit einem Gnadenschuss erlösen.»

Eines der Schafe hatte sich im Gatterzaun der Weide verfangen und konnte sich nur mithilfe des Schäfers befreien, blieb aber unverletzt. Von einem weiteren Schaf fehlte bis am Mittwoch jede Spur. Offensichtlich hat es vor dem Wolf die Flucht ergriffen und mit einem Sprung über das Gatter das Weite gesucht. «Ich glaube kaum, dass es noch am Leben ist. Vermutlich ist es wegen Verletzungen irgendwo liegengeblieben und verendet.»

Ohne Zweifel ein Wolf

Obwohl erst eine DNA-Analyse mit Sicherheit beweisen wird, dass ein Wolf hinter dem nächtlichen Angriff steckt, ist die Wildhut, welche die Risse kontrollierte, aufgrund der wolfstypischen Bisswunden sicher, dass es sich um einen Wolf handelt. Dies bestätigte Jagdchef Peter Scheibler am Mittwoch auf Anfrage. Zumal man auch weiss, dass sich in der Region seit geraumer Zeit ein Wolfspaar aufhält.

Für Kenzelmann wiegt der Verlust seiner Zuchttiere, die er regelmässig auf Schafschauen aufführt, schwer. «Was man jahraus, jahrein mit grosser Leidenschaft und viel Arbeit aufbaut, hat ein Wolf in einer Nacht zerstört.» Gleichzeitig sind die Schäfer der Region verunsichert. Kenzelmann war der erste, der seine Schafe ins Freie liess. «Nun frage ich mich, ob ich es riskieren will, die Schafe in die Frühjahrsweiden zu führen.»

Wölfe verlieren Menschenscheu

Am Fall in Zeneggen erstaunlich ist, dass sich der Wolf, der als scheues Tier gilt, mitten in bewohntes Gebiet vorwagt. So wie bereits eine Woche zuvor in Törbel, wo ebenfalls in Dorfnähe ein Schaf gerissen wurde. Das erinnert stark an den Fall von Eischoll vor zwei Jahren, wo sich ebenfalls ein Wolf in Dorfnähe über eine Schafherde hermachte. Die zuständigen Stellen entschieden seinerzeit, dass der Wolf nach einem erneuten Angriff in Dorfnähe zum Abschuss freigegeben werden sollte. So weit kam es in diesem Jahr aber nicht.

Dass sich Wölfe in die Nähe von Siedlungen wagen, zeigte sich erst vor einer Woche in Blatten im Lötschental. Dort konnten Bewohner eines mehrstöckigen Wohnhauses nach Einbruch der Nacht den Lötschentaler Wolf auf dem Vorplatz des Hauses beobachten.

Überwachung bei Blatten

Ob dieses Verhalten normal sei, wollten die Dorfbehörden von Blatten darauf in einem Schreiben an den kantonalen Jagdchef Peter Scheibler wissen. «In der Zwischenzeit hat eine Unterredung mit dem Gemeindepräsidenten von Blatten stattgefunden», bestätigt Peter Scheibler das Schreiben. «Ich habe eine Überwachung des betroffenen Gebietes mit Fotofallen angeordnet, um herauszufinden, ob der Wolf im Lötschental für die Menschen ein Problem darstellt.»

Der Walliser Jagdchef hat in der Vergangenheit mehrfach klargemacht, dass Wölfe, die sich immer wieder in Dorfnähe wagen und ein dreistes, aggressives Verhalten aufweisen, für eine gesunde Wolfspopulation nicht erwünscht sind. Die gesetzliche Grundlagen für einen allfälligen Abschuss wären allerdings dünn und würden wohl bei den Wolfsbefürwortern auf harten Widerstand stossen.

zen

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Kommentare

  • Walliser - 36

    So wertvoll waren die Zuchttiere anscheinend nicht wenn man nach einem Angriff die Tiere weiterhin mit einem Maschendrahtzäunchen über Nacht alleine lässt. Die zweite Variante: dem Besitzer mangelt es an Fachwissen. Variante drei: der Besitzer will Entschädigungszahlungen erschleichen.

  • lynx - 1438

    ich halte auch meine Schafe, doch weiss sie zu schützen.....
    offenbar viele immer noch nicht.....einfach unbelehrbar.......

    • Schafhirt - 30

      Bruno wie kann ich dich Erreichen, werde deine 40 Schafe gerne zur Alpsömmerung, natürlich gegen eine angemessene Bezahlung betreuen.

    • Carli - 33

      Viele Bauern haben ein Brett vor dem Kopf! Das Ziel der Bürokraten ist, die Bauern gegeneinander auszuspielen!
      Ich frage mich was du überlegst und denkst, wenn deine Tiere vom Wolf zerfetzt weden!! Ich bin überzeugt, dich werden viele Sesself...... Unterstützen wenn,dass bei dir passiert.

    • bruno - 92

      Nicht weitergeben !!
      Deine profi Schafhaltung selber erledigen !
      Oder gilt .
      LIEFERN nicht LAFERN !!!!!

    • lynx - 711

      vergessen, falls euch die Rasse keine Rolle spielt.....oder doch....????....

    • lynx - 410

      Danke. ich nehme sie gerne an und gebe sie weiter zur Alpung......

    • leserin - 175

      ja hätte auch noch 60 ....wenn sie bei dir sind kann ich ohne sorge jeden Abend ruhig schlafen denn du bist wohl der Chef was Alpung betrifft

    • bruno - 221

      Kann ich meine 40 schafe diesen sommer dir zur sömmerung übergeben !!??

  • lynx - 1336

    Haben unsere Schafbauern aus den vergangenen Jahren immer noch nichts gelernt ? Oder wollen sie nichts lernen (engstirnig), oder sind sie so dumm ?
    Das hüten von Kleingruppen bringt nichts, zusammenlegen von mehreren Gruppen und diese mit Herdenschutzhunden (eine Aufzuchtstation ist ja hier im Wallis ansässig) versehen bringt den notwendigen Schutz.
    Ich selber würde mich auch dort bedienen, wo man mir mein "Futter" auf dem "Serviertablett" dargeboten würde.
    Zum "Rotkäppchenmääär": Ich hatte dieses Frühjahr das Glück, einem Wolf auf weniger als 20m Distanz zu begegnen. Wir haben uns einfach beide erstaunt angeschaut, er hat sich dann abgewendet und ist seinen Weg weitergegangen, einen grossen Bogen um mich machend.

  • stef - 4116

    Ja der Wolf ist gut und recht, doch leider ist die Schweiz zu klein für ihn... Immer mehr Bauern geben die Tiere weg und dann werden es hoffentlich auch die Wolfsbeführworter einsehen. Spätestens, wenn sie am Wochenende nicht mehr ihrem Hobby dem Skifahren, Touren oder Wandern nachgehen können, weil die ganzen Hänge verwaldet sind oder weil das Gras nicht abgefressen ist und deshalb die Lawinengefahr steigt. Eine weitere Folge: Die Touristen kommen nicht mehr in die Schweiz, Arbeitsplätze verschwinden.
    Die ganze Zeit hört man nur der Wolf hat ein Recht hier zu leben und was ist mit den Schafen? Sind die weniger Wert als ein Wolf? Haben die kein Recht auf ein Leben?

  • Schafhirt - 2458

    1. Der Mann wohnt im Gebiet wo bekanntlich Wölfe vorhanden sind und lässt seine Schafe über Nacht im Freien - ein toller Selbsversuch !
    2. Wenn Wölfe die Scheu vor Menschensiedlungen verlieren heisst dies noch lange nicht, dass sie auch Menschen angreiffen würden.
    3. Meine Tiere - unter anderem auch Herdenschutzhunde - sind Tag und Nacht in einem eingezäunten Gehege. Das hindert keines der ausserhalb lebenden Wildtiere daran bis an den Zaun zu kommen (unter anderem auch ein Wolf!)
    4. Begreift endlich, dass die Wildtiere gelernt haben mit uns zu leben - WIR müssen noch lernen mit den Wildtieren zu leben. Oder wir bringen sie um ....
    5. Kürzlich wurde in Zermatt ein Kind von einem Elektrotaxi getötet ...

  • Beobachter - 4821

    Bis jetzt wurden immer nur ein Wolfspaar in der Region vermutet, Herr Scheibler. Nun weiss man seit geraumer Zeit, dass sich ein Paar dort aufhält?
    Unverständlich nur, dass während der Abschusszeit der Wolf verschwunden war und sie vermuteten, dass er sich in eine andere Region abgesetzt hat. Wir lassen uns nicht gerne für Idioten verkaufen Herr Scheibler. ( Abschusstermin durch: 17 Tage später wurde der Wolf mit Freundin wieder gesichtet.)

  • Tom - 7622

    Wie lange will unsere Wildhut noch zuschauen? Ich glaube sie sind sich nicht bewusst das ihr Lohn letztendlich von der jagdabteilung also von den gelösten Jagdpatenten bezahlt wird. Es ist im Moment wohl noch eine der einzigen Abteilungen die sich selbst finanziert.
    Das kann und wird sich ändern wenn der Wildbestand so stark zurückgeht das es nicht mehr interessant ist hier noch auf die Jagd zu gehen!
    Spätestens dann brauchen wir die Wildhüter auch nicht mehr!
    Schade das sind doch einige Arbeitsplätze!

    • Walliser - 1533

      @Tom: und du bist dir wahrscheinlich bewusst das der Jäger absolut nicht benötigt wird. Den die Schuld am Rückgang des Wildes ist absolut nur der Mensch. Nur der Mensch. Wenn es denn überhaupt so wäre. Denn kannst du mir die hohen Abschusszahlen begründen, wenn man anscheinend Angst vor der Dezimierung des Wildes hat? Auch der Jäger in dir widerspricht sich einmal mehr.Und von der anscheinenden Hege und Pflege will ich erst gar nicht anfangen zu schreieben.

  • christian - 31137

    das mit dem bewohnten gebiet ist so eine sache... ein kleiner weiler eines kleinen bergdorfs wo nach 21:00 uhr praktisch kein licht mehr brennt bis 5:00 morgens... die menschen sind alle im stall und für den wolf besteht keine gefahr... die paar füchse und hasen die da rumhoppeln in der nacht vertreiben ihn auch nicht... es ist nicht so das er sich einer belebten grösseren siedlung annähert... wie nahe kam einer der wölfe in den letzten jahrzehnten einem menschen bei uns...?

  • Bernd - 32136

    JaSo: so ist es, nur die Menschen haben eine Lebensberechtigung und können deshalb jeglich Natur und Wildtierpopulation auslöschen. Ist schon gut so, oder?

    • Walliser - 147

      Wenn du dich schon Bruce Dickinson nennst. Dann solltest du deine Einstellung gegen den Wolf ändern. Denn der Sänger hat sogar Wildtiere auf seine Kosten in Rettungsstationen geflogen. Also nenne dich nicht mit Maiden in einem Satz. See you...

    • Bruce Dickinson - 1114

      @Nino, Es ist Ihr Gutes Recht sich in Bern gegen das Wallis einzusetzen, ich glaube aber nicht dass Ihre Kumpels von der Reitschule hier viel bewirken können...

    • Nino - 1331

      @Die Walliser welche gerade eben wieder auf Geld von der Berghilfe angewiesen sind. Hassen ihre Natur? Ich werde mich vehement dafür einsetzen in Bern dass, das Wallis kollektiv bestraft wird. Von 26 Kantonen auf Rang zwei zu sein beim kassieren des Geldes aus dem Finanzausgleiches ist absolut peinlich. Daher habt ihr nicht einmal die geringste Bedingungen zu stellen. Wenn der Kanton Wallis seine wirtschaftlichen und finanziellen Misseren bereinigt hat, kann er dann wieder ein paar Bedigungen stellen.

  • Bernd - 35115

    Herr Schmidt, erlauben Sie mir eine Frage: Wieviel Kinder sind schon vom Wolf angegriffen worden? Was bringen Sie hier für zweifelhafte Beispiele ins Spiel!

  • hugo - 9934

    Sind Herr Scheibler und sein Gefolge ( Wildhüter ) vielleicht am falschen Platz. Den während der Abschussbewilligung im letzten Jahr wurde kein einziger Wolf erlegt.
    Mir stellt sich die Frage wollte man nicht oder war man nicht fähig?

    • Xandi - 1425

      Es stellt sich eher für die Schäfer die Frage, wollen die nicht recht zäunen oder können die nicht ?

  • mik - 39128

    als ob ein Wolf einen Menschen angreifen würde...

    • Walliser - 2255

      @Martin: Es kommt auch vor das Kühe Wanderer töten auf öffentlichen Wanderwegen. In der CH: Kühe:Genaue Zahl mir unbekannt. Wolf: Null.

    • Martin - 5427

      Ist selten, kommt aber vor - teils mit tödlichem Ausgang (auch für Erwachsene).

      Wobei "selten" Indien ausklammert - dort wurden von im Zeitraum von 20 Jahren (1992 - 2012) 273 Kinder von Wölfen getötet. Allerdings vom sogenannten Indischen Wolf, der kommt hier nicht vor...

  • August Schmidt - 13241

    Muss erst ein Kind geopfert werden bis die Behörden tätig werden können?
    Ich hoffe fest, dass das nicht passieren wird, aber leider zeigen ähnliche Beispiele immer wieder, dass man erst reagiert wenn der Schaden bereits entstanden ist.

    • Flüchtlingshelfer - 10

      Herr Schmidt für ein Kind zu Opfern braucht es keinen Wolf, der Mensch ist Mensch genug um das Kind im Bade ins Meer ( Füchtlingsdrama ) zu schütten.

    • Aurelia - 2366

      Bitte hören Sie mit diesen Märchen auf. Weltweit kommen 10 Menschen durch Wölfe um tollwut oder angefüttert für Fotos und Videos, 10 Menschen kommem um durch Haiangriffe und stellen Sie sich vor 750'000 bei Insektenstichen und daraus resultierenden Krankheiten. Gefahr geht für Kinder besonders von unserer gestörten Gesellschaft hervor (Misshandelte und vergewaltigte Kinder) durch sogenannte Phädophile und Händlerringe. Wölfe sind sehr sozial untereinander. Da könnte der Mensch noch was lernen. Übrigens wie hoch war der Zaun in Zeneggen und mit wieviel Strom gesichert ? Getötete Schafe sollen nicht mehr vergütet werden, sondern hoher wolfssicherer Zaun geliefert werden. Überdies wie nennen Sie Schäfer, die blinde und kranke Tiere (Visna Maedi) zur Sömmerung aufkehren oder männliche Lämmer kurzerhand töten, weil diese eben männlich sind, man schon genug Widder hat oder schlecht gezeichnet sind. Wie nennen Sie solche Leute ? Auch Wölfe ?

    • JaSo - 14546

      Und wenn das erste "gerissen" wird, wen kümmerts? WWF und Grüne rufen dann "schafft die Kinder ab und lasst den Wolf in Ruhe"

      Mir begegnet jedenfalls besser keiner, das könnte für das Schosswölfchen ungesund enden.

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