Nach Franken-Schock und Steuern auf Gemeindeebene
Zweitwohnungen im Wallis werden unattraktiver
Blick auf die Riederalp: Hier ist eine Steuer auf Zweitwohnungen angedacht.
Foto: www.tourism.camera
Die schockartige Aufwertung des Schweizer Frankens hat Auswirkungen auf den Markt für Zweitwohnungen. Ferienobjekte im Wallis werden für Käufer aus dem Euro-Raum teurer und wegen beschlossener oder angedachter Zweitwohnungssteuern zusätzlich unattraktiv.
Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses wird die Nachfrage für Zweitwohnungen erheblich dämpfen, wie die «NZZ am Sonntag» feststellt. Für Käufer und Eigentümer aus dem Euro-Raum, die in der Vergangenheit ein wichtiges Nachfragesegment darstellten, verteuern sich die Preise für Ferienobjekte, aber auch der Aufenthalt selbst, deutlich.
Das Angebot an Zweitwohnungen in der Schweiz ist gegenwärtig so gross wie lange nicht: Im vierten Quartal 2014 waren gemäss einer Übersicht von Wüest & Partner fast 9000 Objekte mit einem kumulierten Wert von rund 4,6 Milliarden Franken ausgeschrieben. Betroffen von den Auswirkungen ist mit auch das Wallis: Hier befindet sich rund ein Zehntel der gesamtschweizerisch rund 500'000 Zweitwohnungen. So viele dürften es auch in den Kantonen Tessin und Graubünden sein.
Weiter dürften in diesem Zusammenhang die kontrovers diskutierten Steuern auf Zweitwohnungen die Attraktivität der Ferienobjekte weitern mindern. Im Wallis sind solche bereits in Anniviers, Bürchen, Champéry, Val d’Illiez und Zermatt beschlossen worden (zum Teil aber noch nicht Kraft). Diskussionen über eine Einführung laufen zurzeit in Bellwald, Riederalp und Saas-Fee. Die Steuern dienen nicht nur fiskalischen Zwecken, sondern in erster Linie dem «Kampf gegen die kalten Betten», indem die Objekte mehr vermietet werden.
Lieber verkaufen, als zu vermieten
Ganz im Gegensatz zum Wallis und insbesondere im Oberwallis sind im Kanton Graubünden in einer ganzen Reihe von Feriendestinationen die Steuern auf Gemeindeebene allesamt verworfen worden. Darunter auch in Davos und St. Moritz. In anderen Ferienregionen wie im Tessin oder in der Innerschweiz sind solche zusätzliche Steuern noch kein Thema.
Michael Landolt, Ressortleiter beim Schweizerischen Hauseigentümerverband (HEV), hält denn auch nicht mit Kritik an der Einführung von Steuern auf Zweitwohnungen zurück. «Viele haben ihre Ferienwohnung ja mit der Absicht gekauft, sie exklusiv für sich zu nutzen. Die Vorstellung, dass fremde Menschen in ihren Betten schlafen, macht diesen Besitzern extrem Mühe.» Lieber würden diese Eigentümer ihre Chalets verkaufen, als sie zu vermieten, sagt Landolt gegenüber der «NZZ am Sonntag».









Artikel
Kommentare
Fehr - ↑4↓2
Die Deutschen, Holländer und Russen kommen weniger ins Wallis und nun wird auch noch der Stammgast und Zweiwohnungsbesitzer mit einer Strafsteuer vergrault. Ist das kompetente Tourismusförderung oder eher ein Sägen am Ast auf dem die Verantwortlichen sitzen?
antworten
Steinbock - ↑2↓1
Sehr gut! Nun wird die Zweitwohnungsinitiative doch noch umgesetzt... Zeit wird's, sich endlich von Torismus und Bauwirtschaft zu emanzipieren und neue, zukunftsträchtige Branchen zu fördern. Auf in die Zukunft!!!
antworten
Oh Mama MIA - ↑1↓0
OK, auf 25 % der Stellen kann man ja getrost verzichten, zumal ja auch Fremdländer mitgezählt werden. Na dann....
Mia - ↑0↓0
Da haben Sie beim Kopfschütteln einiges durcheinander gebracht. Im Tourismus und auf dem Bau arbeiten ca. 1/4 der Beschäftigten im Wallis. Von einer grossen Mehrheit kann also nicht die Rede sein. Zudem weisen diese Sektoren eine unterdurchschnittliche Wertschöpfung und überdurchschnittliche viele importierte Arbeitskräfte auf. Und wie kommen Sie auf die absurde Zahl von 150'000 Leuten?
kopfschüttelnde Gemse - ↑1↓0
Im Wallis arbeiten die große Mehrheit im Tourismus und auf dem Bau. In welcher "neuen,zukunftsträchtigen Branche" wollen Sie 150'000 Leute anstellen?
Für Wildtierbeobachtungen, für die Solarpanelproduktion in Raron oder als Trainer bei FC Sitten?
Christian - ↑1↓0
Es sind schlicht und einfach neue Steuern. Man hat wieder mal eine neue Kuh zum melken gefunden. In den allermeisten Tourismusorten können ja nicht einmal alle angebotenen Ferienwohnungen vermietet werden. Wenn jetzt alle Zweiwohnungsbesitzer mit einer Steuer bestraft werden, kommen dann mehr Gäste?? Diejenigen welche noch eine Zweiwohnung kaufen möchten, werden sich dies sicher sehr gut überlegen
antworten
Reniker Daniel - ↑1↓0
Bei den geplanten Zweitwohnungssteuern geht es nicht um einen «Kampf gegen die kalten Betten», es geht ausschliesslich darum, die Zweitwohnungbesitzer zu melken. In Bellwald gibt es ca. 900 Zweitwohnungen. Wenn diese jeweils zusätzlich an 90 Tagen vermietet werden könnten, wie es der Reglementsentwurf vorsah, müssten sich die Logiernächte/Jahr (zuletzt 122'589) um zwei Drittel erhöhen...
antworten