«Hert gfregt»  | Mathias Reynard, SP, politisiert am linken Rand. Und ist im Wallis trotzdem beliebt

«Hoffe doch sehr, dass ich nett bin»

Bodenständig. Anzug ja, Krawatte nein – Mathias Reynard in Bundesbern.
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Bodenständig. Anzug ja, Krawatte nein – Mathias Reynard in Bundesbern.
Foto: WB / Andrea Soltermann

Quelle: 1815.ch /dab 0

Der SP-Nationalrat steht mit 32 Jahren vor seiner dritten Legislatur. Seine Wiederwahl ist reine Formsache.

Mathias Reynard, beginnen wir mit einer netten Bemerkung: Sie sprechen in der Zwischenzeit sehr gut Deutsch.

«Nein.» (lacht)

Ich würde behaupten: doch. Aber Sie haben das in Bern gelernt und nicht in Brig.

«Vor allem in Bern. Aber auch bei einer Freundin aus Visp. Und ich war auch schon mal für einen Monat in Berlin, um mein Deutsch zu verbessern.»

Bleiben wir beim Verhältnis Ober- und Unterwallis. Und bei den Sozialdemokraten. Das Duell Esther Waeber-Kalbermatten gegen Stéphane Rossini bei den Staatsratswahlen 2017 hat die SP gespalten. In welchem Lager waren Sie damals?

«Das war für mich eine schwierige Situation, weil ich mich in meiner Rolle als Nationalrat für beide Kandidaten engagierte. Aber es waren zwei sehr gute Kandidaturen.»

Esther Waeber-Kalbermatten wurde immer wieder aus den eigenen Reihen kritisiert. Von Peter Bodenmann, von Rossini, aber auch von anderen Linken im Unterwallis. Ihr bisheriges Fazit über die Amtszeit der ersten Staatsrätin?

«Ich habe sie nie kritisiert. Ich finde, sie ist eine gute Staatsrätin. Man kann immer die Person kritisieren. Das ist viel einfacher, als selbst zu arbeiten.»

SP-Mann Stéphane Rossini wurde nun von SP-Bundesrat Alain Berset nach Bundesbern geholt als neuer Direktor des Bundesamtes für Sozialversicherungen. Copinage bei der SP – das sind doch CVP-Methoden.

(lacht) «Die Kompetenzen von Stéphane Rossini in diesem Bereich sind unbestritten. Er war die logische Wahl für diesen Posten.»

Gemäss einem Ranking der NZZ sind Sie sehr, sehr, sehr links. So links wie etwa Cédric Wermuth oder Fabian Molina, beide frühere Präsidenten der JUSO Schweiz. Wissen das die Walliser überhaupt?

«Ja. Meine Positionen sind transparent. Und ja, ich bin links, wenn wir über die AHV-Renten sprechen, ich will sie erhöhen. Und ich bin links, wenn wir über Arbeitsbedingungen sprechen. Aber in anderen Bereichen wie etwa beim Weinbau, in der Landwirtschaft oder wenn es um das kulturelle Erbe des Wallis geht, bin ich schon eher konservativ.»

Sind Sie auch links bei der Raumplanung?

«Nein. Ich war gegen die Lex Weber. Beim zweiten Raumplanungsgesetz habe ich in der Umweltkommission gegen meine Partei gestimmt.»

Sie haben das Image des Traumschwiegersohns, jung und nett. Wie sehr arbeiten Sie an diesem Image?

«Ich hoffe doch sehr, dass ich nett bin. Ich mag Menschen. Und so sehe ich auch die Politik: als Engagement für die Bevölkerung.»

Sie engagieren sich auch für die Unabhängigkeit von Katalonien. Die spanische Regierung soll angeblich genau mitverfolgen, was Sie hierzu sagen und schreiben. Hat Sie das überrascht?

«Nun, das war schon ein bisschen komisch, davon zu hören. Ich weiss nicht genau, was für eine Strategie Spanien da verfolgt. Aber für den Wahlkampf ist das kaum von Belang.»

Trotzdem: Die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens werden von Spanien als verfassungswidrig eingestuft. Ist es da nicht arrogant, als Schweizer die Spanier zu belehren, was Demokratie ist?

«Nein. Wir waren damals mit verschiedenen Kollegen in Katalonien, unter anderem mit Viola Amherd und Yannick Buttet. Und wir sagen nicht, dass wir das beste Modell haben, das jetzt die ganze Welt übernehmen soll. Aber wir haben ein sehr interessantes Modell. Mit dem Föderalismus, der direkten Demokratie. Wir haben den Katalanen gezeigt, wie wir es machen. Und vielleicht ist es für sie auch eine Lösung.»

Neulich sprachen Sie vor Bähnlern in Brig. Und es tönte so, als wollten Sie die SBB aus den 1970er-Jahren zurück. Sie hörten sich fast an wie ein SVP-Politiker.

«Die SBB, aber auch die Post verkörpern immer mehr eine Manager-Philosophie. Dabei müssen sie nicht Millionen um Millionen an Gewinn machen, sondern einen guten Service public. Und das nicht nur in den Städten, sondern auch in den Berggebieten.»

Aber die Welt verändert sich und mit ihr das Konsumverhalten. Wenn niemand mehr an den Postschalter geht…

«…ich gehe immer noch…»

…dann muss also die Poststelle in Savièse offen bleiben nur für Mathias Reynard?

(lacht) «Nein, es gibt viele Leute, die den Service public nach wie vor nutzen. Nehmen Sie das Beispiel Transport: Wir können im Rahmen der Klimadebatte nicht von allen verlangen, weniger Auto zu fahren, und gleichzeitig nicht das ÖV-Netz ausbauen.»

Noch ein Wort zu Ihrer Ständeratskandidatur. Mit Marianne Maret von der CVP könnte erstmals eine Frau Walliser Ständerätin werden. Jetzt greifen Sie sie indirekt an.

«Meine Kandidatur ist nicht gegen irgendjemand. Klar sind die Frauen wichtig, aber auch die Minderheiten wie das Oberwallis sind wichtig. Und es geht auch um eine ausgewogene Vertretung, was die Parteien anbelangt. Mit zwei CVP-Ständeräten werden die Walliser Interessen in Bern nicht effizient vertreten.»

Interview: David Biner

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