Suchttherapie | Stiftung «Rives du Rhône» entlässt die Mitarbeiter. Der Kanton weist die Schuld zurück

«Das Personal engagiert, aber keine Bewilligung beantragt»

Genug Platz. Laut Staatsrätin Esther Waeber-Kalbermatten hat es im Wallis genug Therapieplätze.
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Genug Platz. Laut Staatsrätin Esther Waeber-Kalbermatten hat es im Wallis genug Therapieplätze.
Foto: Walliser Bote

Quelle: WB /hbi 0

Lens | Die Stiftung «Rives du Rhône» kann den Betrieb in Lens nicht starten. Der Kanton erteilt keine Bewilligung. Den Angestellten hat man deshalb auf Ende März wieder gekündigt.

Suchtkranken Menschen werden im Wallis verschiedene Therapiemöglichkeiten von Substitution über Teilentzug bis hin zum vollständigen Entzug angeboten, je nach ihrem Zustand und ihren Fähigkeiten. Ein breites Angebot ermöglicht es, sich durch die Methode behandeln zu lassen, die am besten passt, und damit die Aussichten auf einen vollständigen Entzug zu erhöhen.

Ein Expertenbericht kam im Januar 2018 zum Schluss, dass die heutige Organisationsstruktur von Sucht Wallis sinnvoll ist. Die aus fünf Beratungsstellen (Visp, Siders, Sitten, Martinach und Monthey) und vier stationären Behandlungszentren (Via Gampel, Villa Flora in Siders sowie die Heime Rives du Rhône in Sitten und François-Xavier Bagnoud in Salvan) bestehende Organisation ermöglicht die Vernetzung von ambulanten und stationären Dienstleistungen. Via Gampel und Villa Flora sind klassische sozialtherapeutische Angebote. Die Heime Rives du Rhône und F.-X. Bagnoud sind sozialtherapeu­tische Angebote mit starker Ausrichtung auf Erlebnispädagogik und Spiritualität. Damit bietet man derzeit 60 stationäre Plätze an.

Die Stiftung Sucht Wallis befindet sich seit dem Rücktritt des langjährigen Generalsekretärs/Generaldirektors Jean-Daniel Barman Ende 2012 mehr oder weniger dauerhaft in der Krise. Zuerst wurde ein Nachfolger angestellt, der erkrankte und dessen Anstellungsverhältnis Ende Mai 2016 im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst wurde. Die Personalfluktuation belief sich von 2012 bis 2017 für den ganzen Beherbergungsbereich auf rund 20 Prozent. Der öffentliche Wirbel um die Stiftung Sucht Wallis hatte einen Belegungseinbruch zur Folge. Die Stiftung hat auch im Personalbereich Schaden erlitten.

Zwölf Mitarbeiter wieder entlassen
Freunde und Ehemalige der ­«Rives du Rhône» möchten in Lens ein zusätzliches Heim eröffnen. Dazu haben sie die ­Stiftung «Rives du Rhône» ge­gründet. Die Stiftung «Rives du Rhône» will in Zukunft mit einer eigenen Struktur für Drogenabhängige im Kanton eine Therapie anbieten. Man will damit dafür sorgen, dass das bestehende, jedoch gefährdete Therapiekonzept der Heime der Rives du Rhône in Sitten und Salvan beibehalten wird. Sie ­setzen langfristig auf einen totalen Entzug. Diese werden aber weiterhin von Sucht Wallis geführt.


Der Stiftung «Rives du Rhône» wurde für das Heim in Lens die Betriebsbewilligung durch das Departement für ­Gesundheit, Sozialwesen und Energie bisher nicht ausgestellt. Weil eine Betriebsbewilligung fehlt, so die Stiftung gestern, werde vielen Personen eine anerkannte Therapie vorenthalten, obwohl die Stiftung bereit sei, Personen in ihren Räumlichkeiten aufzunehmen und auf die Anfragen verschiedener zuweisender Stellen zu reagieren. Laut der Stiftung muss man die zwölf Angestellten entlassen. Für etwa 15 Klienten, mit denen man abgeschlossene Verträge habe, werde man Lösungen ausserhalb des Kantons suchen. Denn das Foyer in Sitten sei wegen Renovationsarbeiten geschlossen und Salvan bereits jetzt überbelegt.

Es hat genügend Plätze im Wallis
Es ist der nächste Eklat im Streit zwischen dem Kanton und Sucht Wallis gegen die Stiftung «Rives du Rhône». Damit will man vor allem den Druck auf Staatsrätin Esther Waeber-Kalbermatten erhöhen. Sie widerspricht allerdings der Darstellung der Stiftung. Mit 60 Plätzen habe man bereits heute ein Überangebot. Damit würde man die eigenen Angebote zusätzlich und unnötig konkurrenzieren. Es herrsche kein Druck für neue Plätze. Es sei auch nicht die Aufgabe des Kantons, Angebote für Ausserkantonale zu schaffen. Dass die Stiftung nun das Personal wieder entlassen müsse, sei nicht der Fehler von Sucht Wallis oder des Kantons, präzisiert die Staatsrätin: «Sie haben das Personal bereits im Januar engagiert, aber keine Bewilligung beantragt. Der Antrag kam erst Mitte Februar.»

Treffen in der
kommenden Woche

Waeber-Kalbermatten betonte bereits im März im Parlament, dass es für eine Bewilligung vertiefte Analysen brauche. Man habe beispielsweise von der Stiftung eine Warteliste verlangt, aber keine Antwort erhalten. Die Sitftung müsse auch aufzeigen, wie sie die im Expertenbericht erwähnten Mängel beheben möchte. In dem Bericht wurde bei Sucht Wallis rund ein Dutzend Versäumnisse in Sachen Einhaltung der Normen des Qualitätslabels festgestellt. Laut Waeber-Kalbermatten will die Sitftung vorerst nur eine Bewilligung ohne Leistungsauftrag bis mindestens Ende April. Auch dafür stehen die Chancen nicht allzu gut. Nächste Woche soll ein Gespräch mit der Stiftung stattfinden. «Das kommt auf Wunsch der Stiftung zustande. Darum war ich überrascht, dass es nun von ihrer Seite hiess, sie wüsste nicht, worum es in diesem Gespräch gehe…»

Herold Bieler

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