Nobelpreis | Mayor und Queloz von der Universität Genf begründeten das Feld der Exoplanetenforschung

Physik-Nobelpreis für zwei Schweizer und einen Kanadier

Didier Queloz (links) und Michel Mayor von der Universität Genf.
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Didier Queloz (links) und Michel Mayor von der Universität Genf.
Foto: Keystone

Quelle: SDA 0

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr zu einer Hälfte an Michel Mayor und Didier Queloz von der Universität Genf für die Entdeckung des ersten Exoplaneten. Zur anderen Hälfte geht der Preis an James Peebles für Entdeckungen zur physikalischen Kosmologie.

"Diese Entdeckung ist die aufregendste unserer gesamten Karriere, und einen Nobelpreis zu erhalten, ist einfach aussergewöhnlich", werden Michel Mayor und Didier Queloz auf der Internetseite der Universität Genf zitiert. Beide Forscher befinden sich momentan im Ausland.

Mayor und Queloz von der Universität Genf entdeckten 1995 den ersten Planeten ausserhalb des Sonnensystems, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist, 51 Pegasi. Sie revolutionierten damit die Astronomie und begründeten das Feld der Exoplanetenforschung. Für ihre Leistung hat die Nobelversammlung ihnen am Dienstag den Physik-Nobelpreis 2019 zuerkannt. Sie teilen sich die Auszeichnung mit dem Kanadier James Peebles, der wichtige Grundlagen der physikalischen Kosmologie gelegt hat.

Die diesjährigen Preisträger haben unser Verständnis der Struktur und Geschichte des Universums und unseres Platzes im Weltall revolutioniert, wie die Schwedische Akademie am Dienstag in Stockholm verkündete.

Tausende Exoplaneten entdeckt

Seit der Entdeckung von 51 Pegasi b, dem von Mayor und Queloz beschriebenen ersten Exoplaneten, sind über 4000 weitere Planeten bei fernen Sternen entdeckt worden. Einige davon sind Gasriesen, wie 51 Pegasi b, andere Gesteinsplaneten wie die Erde. In Kürze soll auch eine ESA-Mission unter Schweizer Leitung starten: Mit dem Cheops-Weltraumteleskop will ein internationales Team um Forschende der Unversität Bern bekannte Exoplaneten genauer untersuchen.

Hinter der Suche nach und der Erforschung von Exoplaneten steht auch die Frage, ob es Leben dort draussen gebe, hielt die Schwedische Akademie in der Medienmitteilung zum Preis fest.

Dunkle Energie und Dunkle Materie

Der Physik-Nobelpreis geht zur anderen Hälfte an den kanadischen Kosmologen James Peebles von der Princeton University, USA. Er habe mit seinen Arbeiten zur physikalischen Kosmologie das theoretische Rahmengerüst gebaut, auf dem sich unsere heutigen Vorstellungen über das Universum, seine Struktur und seine Geschichte vom Urknall bis heute abstützen, hiess es.

Das Urknall-Modell beschreibt, wie das Universum vor fast 14 Milliarden Jahren begann sich auszudehnen. Mit theoretischen Berechnungen habe er der uralten Strahlung aus der Jugend des Universums nachgespürt und neue physikalische Prozesse aufgedeckt, schrieb die Nobelversammlung. Daraus ergab sich auch die Erkenntnis, dass nur fünf Prozent des Universums aus sichtbarer Materie besteht, die anderen 95 Prozent aus Dunkler Materie und Dunkler Energie. Die Beschaffenheit dieser beiden gehört zu den grossen Rätseln der heutigen Physik.

Die Nobelpreise sind pro Kategorie mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 908'000 Franken) dotiert. Offiziell geehrt werden die Preisträgerinnen und Preisträger am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel. Sie erhalten dann neben dem Preisgeld die berühmte Medaille sowie eine Nobelurkunde.

Aufregendste Entdeckung unserer Karriere

"Diese Entdeckung ist die aufregendste unserer gesamten Karriere, und einen Nobelpreis zu erhalten, ist einfach aussergewöhnlich", werden die Forscher Michel Mayor und Didier Queloz in einem Communiqué der Universität Genf zitiert. Die beiden Nobelpreisträger für Physik sind derzeit im Ausland.

Auch bei der Universität Genf (Unige) ist die Freude riesig. "Dies ist eine fantastische Anerkennung der Arbeit von Michel Mayor und Didier Queloz", sagte Unige-Rektor Yves Flückiger. "Das sind gute Nachrichten für unsere Universität, für Genf und für die ganze Schweiz", fügte er hinzu.

Vor 24 Jahren identifizierten die beiden Astronomen einen Planeten ausserhalb des Sonnensystems. "Niemand wusste, ob es Exoplaneten gibt oder nicht", wird Mayor in der Pressemitteilung der Unige zitiert. Die Jagd war schon eine Weile im Gange. "Renommierte Astronomen haben seit Jahren vergeblich danach gesucht."

In einem Tweet gratulierte Bundesrat Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), den beiden Nobelpreisträgern "Die Schweiz bleibt die unverzichtbare Nation, wenn es um wissenschaftliche Spitzenforschung geht", schreibt der Waadtländer.

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Infos

Schweizer Nobelpreisträger für Physik

Nach über 30 Jahre ging der Physik-Nobelpreis 2019 endlich wieder in die Schweiz. Mit dem Physik-Nobelpreis sind insgesamt acht Schweizer oder schweizerisch-ausländische Doppelbürger geehrt worden.

2019: Michel Mayor und Didier Queloz für die Entdeckung des ersten Planeten ausserhalb des Sonnensystems, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist.

1987: Karl Alexander Müller für die Entdeckung der Supraleitung in keramischen Materialien

1986: Heinrich Rohrer für die Entwicklung des Raster-Tunnel-Mikroskops

1952: Felix Bloch (CH/USA) für die Entdeckung der Kerninduktion

1945: Wolfgang Pauli (A/CH/USA) für die Entdeckung des Ausschliessungsprinzips

1921: Albert Einstein (D/CH/USA) für die Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Lichts

1920: Charles Edouard Guillaume für die Entdeckung der Anomalien bei Nickelstahllegierungen und Präzisionsmessungen in der Physik
sda

Physik-Nobelpreisträger seit 2009

Der Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Die erste Auszeichnung erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der "X-Strahlen", der später nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre waren:

2018: Die Laserphysiker Arthur Ashkin (USA), Gérard Mourou (Frankreich) und Donna Strickland (Kanada) für die Entwicklung präziser Werkzeuge aus Licht.

2017: Die drei US-Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne für den direkten Nachweis von Gravitationswellen. Albert Einstein hatte das Phänomen bereits vorhergesagt.

2016: Die gebürtigen Briten David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz. Sie haben exotische Zustände beschrieben, die eine Relevanz für Quantencomputer und neue Materialien haben könnten.

2015: Der Japaner Takaaki Kajita und der Kanadier Arthur McDonald. Sie hatten nachgewiesen, dass Neutrinos eine Masse besitzen. Die winzigen neutralen Elementarteilchen durchströmen das All und selbst Mauern.

2014: Die gebürtigen Japaner Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura für die Erfindung hocheffizienter Lichtquellen. Die blau leuchtenden Dioden ermöglichen helle und energiesparende LEDs.

2013: Der Belgier François Englert und der Brite Peter Higgs für die Vorhersage des Higgs-Teilchens.

2012: Serge Haroche aus Frankreich und David Wineland aus den USA für Fallen, mit denen sich geladene Teilchen (Ionen) und Licht (Photonen) einfangen lassen. Sie schufen damit Grundlagen für genauere Uhren und grundsätzlich neue Computer.

2011: Saul Perlmutter, Adam G. Riess (beide USA) und Brian P. Schmidt (USA und Australien) für die Beobachtung, dass sich das All derzeit immer schneller ausdehnt.

2010: Der Niederländer Andre Geim und der britisch-russische Physiker Konstantin Novoselov für ihre Arbeiten zu Graphen. Das einlagige Gitter aus Kohlenstoffatomen leitet hervorragend Hitze und Strom.

2009: Charles Kao (China), Willard Boyle und George Smith (beide USA) für die schnelle Datenübertragung durch Glasfasern sowie für den lichtempfindlichen CCD-Chip. sda

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