Konzertkritik | Pure Lebensfreude mit Anderson .Paak

«Yes Lawd!»

<b>Ansteckend positiv.</b> Anderson .Paak und seine Free Nationals.
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Ansteckend positiv. Anderson .Paak und seine Free Nationals.
Foto: WB/Alain Amherd

Quelle: 1815.ch 0

Publikumstechnisch ­gesehen hätten die Or­ganisatoren besser Lo & Leduc den Main Slot auf der Hauptbühne überlassen: Während die Menschenmenge bei den Berner Rappern immens war und bis weit hinter den Technikturm reichte, spielte Anderson .Paak zu Beginn vor einem ­Publikum, löchriger als sein Bartwuchs.

Sicherlich spielte Lo & Leduc ein gewisser Patriotismus und unzweifelhaft der Charterfolg «079» in die Karten. Denn dass Anderson .Paak hierzulande weit weniger bekannt und kommerziell erfolgreich ist, steht ausser Frage. Musikalisch hingegen spielten Anderson .Paak und die Free Nationals, seine Band, in einer ganz anderen Liga.

Das Konzert eröffnete der Trompeter der Band mit dem Solo zu Anderson .Paaks «The Bird», dem Hit, der ihm vor fünf Jahren zum Durchbruch verhalf. .Paak selbst sass von Beginn weg am Schlagzeug und liess sich davon in seiner gesanglichen Performance nicht im Geringsten beirren. «Yes Lawd», .Paaks Markenzeichen-Schrei wurde vom zu Beginn spärlichen Publikum mit Inbrunst erwidert.

Heimatliebe

Während es durchaus nicht ungewöhnliches ist, dass Künstler ihrer Heimat den einen oder anderen Song widmen, hat .Paak seiner Heimat Kalifornien nicht nur eines oder zwei, sondern gleich ganze vier Alben gewidmet. Seine ursprünglich als Trilogie geplante ­Album-Serie startete 2014 mit «Venice». Ab dann ging es nordwärts nach «Malibu», über seine Heimatstadt «Oxnard» weiter nach «Ventura», seinem jüngsten Wurf. Und dies, obwohl .Paak beileibe nicht nur die Sonnenseiten des «Golden State» kennenlernen musste: 2011 landete der heute 33-Jährige vom einen auf den anderen Tag unvermittelt auf der Strasse, mitsamt Frau und Kind.

Dank dem Zusammenspiel mehrerer glücklicher Zufälle landete .Paak schliesslich bei Shafiq Husayn, der ihm Logis und eine Arbeit anbot. Bei Husayn, einem im musikalischen Untergrund ein überaus beachteter Musikproduzent, indes ohne erwähnenswerte kommerzielle Erfolge, wagte .Paak – damals noch unter seinem Pseudonym Breezy Lovejoy – seine ersten nennenswerten musikalischen Schritte. Und wie es ein weiterer Zufall wollte, klopfte nicht viel später ein gewisser Dr. Dre bei .Paak an, der überragende und weltweit erfolgreichste Rap-Produzent.

Im Publikum gesungen

Mit roter Wollmütze, einer sein Gesicht verdeckende Sonnenbrille und farbenfrohem Anzug spielte Anderson .Paak mit den Free Nationals seine Songs jeweils nahe am Original, ohne jedoch, dass die sie freudlos nachgespielt wirkten. Von freudlos konnte man bei ihm so oder so nicht sprechen: .Paak, der während seinen Auftritten mit spielerischer Leichtigkeit zwischen den Positionen als Sänger und singendem Schlagzeuger wechselt, verbreitete nicht nur dank den von Funk, Soul, Hip-Hop und Disco geprägten Eigenkreationen gute Laune. Sein ganzes Wesen schien von unerschütterlicher Positivität durchdrungen.

Während Parkway Drive den Gang durch das Publikum am Donnerstag nur zu Konzertbeginn wagten, tänzelte Anderson .Paak unverhohlen während seinem Konzert singend durch die Menge.

Und das bis zuletzt stolze Publikum liess sich von Anderson .Paaks Lächeln im Gesicht anstecken. Bis es schliesslich auch in das allerletzte Gesicht im Publikum wanderte. «Yes Lawd!»

Adrien Woeffray

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