Weinwirtschaft | Schlug der Verwaltungsrat unter Pierre-Alain Grichting vielleicht eine zu offensive Strategie ein?

Fenaco - der alternativlose Rettungsanker für Provins

Vertreter von Fenaco und Provins am Donnerstag vor den Medien. Fenaco ist der alternativlose Rettungsanker für Provins.
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Vertreter von Fenaco und Provins am Donnerstag vor den Medien. Fenaco ist der alternativlose Rettungsanker für Provins.
Foto: mengis media

Quelle: 1815.ch 0

Die Berner Agrargenossenschaft Fenaco übernimmt die torkelnde Walliser Winzergenossenschaft Provins. Die Übernahme war für den stolze Walliser Weinriesen alternativlos.

Im Jahr 1930 gegründet entwickelte sich die Winzergenossenschaft Provins zu einem Giganten. Die Genossenschaft ist der grösste Produzent von Schweizer Weinen. Die Produktion von Provins macht 10 Prozent der Schweizer Weinproduktion aus. Provins war jahrelang ein Aushängeschild der Walliser Wirtschaft und hatte eine grosse Strahlkraft. Doch diese verblasste spätestens im Frühsommer 2019. Von da an, stand der Winzergenossenschaft das Wasser buchstäblich bis zum Hals, wie Guido Egli, Vizepräsident des Verwaltungsrats gegenüber rro an einer Medienkonferenz am Donnerstag erklärte: «Wir haben damals gesehen, dass wir bei Provins so nicht mehr weiterfahren können. Seit dem Frühsommer 2019 haben wir dann im Verwaltungsrat nach Lösungen gesucht.»

Fenaco - der alternativlose Rettungsanker für Provins. (Quelle: rro)

Diese Suche war auch dringend notwendig. Ende 2019 war Provins mit über 50 Millionen Franken verschuldet. Die Eigenmittel beliefen sich auf rund 30 Millionen Franken. Provins hatte Liquiditätsengpässe und konnte am Kapitalmarkt kein neues Geld mehr beschaffen. Die Folge: Die Winzer der Genossenschaftsfamilien warten noch immer auf ihre Geld für die abgelieferten Trauben aus dem Jahr 2019. Doch nun könnte Bewegung ins Dossier kommen. Die Agrargenossenschaft Fenaco, zu der unter anderem die Detailhändler Volg und Landi gehören, will Mehrheitsaktionärin bei Provins werden und rund 50 Millionen Franken ins Unternehmen pumpen. Stimmt die ausserordentliche Generalversammlung am 14. April der Umwandlung von einer Genossenschaft zu einer Aktiengesellschaft zu, ist die Übernahme vollzogen. Interesse an einer Übernahme hatte auch das Unterwalliser Weinhaus Rouvinez. An einer Medienkonferenz am Donnerstag erklärte Cristian Consoni, Mitglied der Geschäftsleitung bei Fenaco mit, dass die Ausbezahlung der Winzer so schnell wie möglich abgewickelt werden soll. Provins schuldet den Genossenschaftern noch rund 13 Millionen Franken. Consoni wird, wenn alles nach Plan läuft, auch der neue Verwaltungsratspräsident von Provins sein. Dieser wird neu aus fünf Personen bestehen und komplett neu zusammengesetzt sein. Drei von fünf Sitzen werden von Fenaco-Vertretern belegt sein, der Rest von Genossenschaftswinzern. Alle Akteure betonten an Medienkonferenz am Donnerstag, dass Provins ein Walliser Unternehmen bleibe.

Das stimmt wohl nur bedingt. Die einst so stolze Walliser Winzergenosenschaft stand nahe am Abgrund und wurde gerettet. Das Sagen bei Provins haben nun nicht mehr die Walliser Winzer, sondern die Vertreter der Berner Agrargenossenschaft Fenaco.

Wenn die Übernahme von Provins durch Fenaco in trockenen Tüchern sein wird, endet auch die Zeit von Gudio Egli im Verwaltungsrat von Provins. Es sei logisch und richtig, dass Fenaco als neue Eigentümerin neue Leute in den Verwaltungrat bringe. Egli geht also ohne Groll, aber nicht ohne Selbstkritik. Im rro-Interview schaut er kritisch auf das eigene Wirken und auf jenes des Provinsverwaltungsrates zurück: «Provins war nie auf Rosen gebettet. Wir wussten, dass wir immer mit knappen Mitteln durchkommen müssen. Die ganze Expansion, besonders im Ladenbereich, hat viel Geld verschlungen. Das haben wir gesehen und mussten diese deshalb stoppen.» Da stellt sich die Frage, ob unter dem Präsidium von Pierre-Alain Grichting, der Provins als Verwaltungsratspräsident von 2012 bis 2018 stark prägte, der Verwaltungsrat eine vielleicht zu offensive Strategie einschlug? Eglis Antwort darauf: «Diese Frage müssen sie Herrn Grichting stellen. Er während seiner Zeit als Verwaltungsratspräsident vielleicht nicht immer realisiert, dass wir bei Provins zu engmasching in unserer finanziellen Situation waren.»

rro hat Pierre-Alain Grichting kontaktiert und ihm angeboten in einem Interview ausführlich Stellung zu beziehen und seine Sicht der Dinge darzulegen. Grichting erklärte, dass er zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft gebe.

vm

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