Ersatzroute für gesperrten Europaweg im Felssturzgebiet Täschwang
Gewaltiger Damm schützt Strasse und Bahn im Mattertal
Mit einer Länge von 530 Metern, einer Höhe von acht Metern und einer Kubatur von 54'700 Kubikmeter hat der Damm am Täschwang gewaltige Ausmasse.
Foto: zvg
Blick vom Geröllfeld auf 3000 Meter hinunter ins Tal. Die rote Linie markiert den Ort des Dammbaus.
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In der vergangenen Woche ist im Täschwang zwischen Zermatt und Täsch ein mächtiger Schutzdamm fertiggestellt worden. Damit sollte die latente Gefahr von Steinschlägen für die Strasse und Bahn gebannt sein.
Das Bauwerk wurde nötig, weil sich im August 2013 beim Sattelspitz auf 3000 Metern über Meer ein Felssturz ereignete. In der Folge gingen weitere Felsmassen nieder und sind seither in Bewegung. Einzelne Felsbrocken drohen ins Tal zu stürzen. Um diese Gefahr zu bannen, ist nach kürzester Planungsphase bereits im Oktober 2013 mit dem Bau eines mächtigen Schutzdamms auf 1700 Meter begonnen worden.
«Bei Wintereinbruch mussten die Arbeiten unterbrochen werden, sind aber bei einsetzender Schneeschmelze im Frühjahr raschestmöglich fortgesetzt worden. In der vergangenen Woche konnten die Arbeiten nun abgeschlossen werden», erklärt Norbert Carlen von der kantonalen Dienststelle für Verkehr, Bau und Landschaft, auf Anfrage von 1815.ch. Die Erstellungkosten belaufen sich auf eine Million Franken und werden zum grössten Teil von Bund und Kanton getragen.
Das Felssturzgebiet am Sattelspitz wird trotz Damm aber weiterhin mit Messgeräten von den Kantonsgeologen überwacht. «Die abgebrochenen und in einem Couloir liegen gebliebenen Felsmassen verhalten sich derzeit stabil. Mit einsetzender Hitze im Hochsommer ist es aber möglich, dass sich einzelne lose Felsbrocken wegen des schmelzenden Permafrostes lösen könnten. Laut Berechnungen der Geologen werden diese aber beim neuen Damm aufgefangen.» Somit droht Strasse und Bahn zwischen Täsch und Zermatt im Tal keine Gefahr mehr.
Imposante Ausmasse – gefährliche Arbeiten
Der Schutzdamm, der mit einer Länge von 530 Metern und einer Höhe von acht Metern und einer Kubatur von 54'700 Kubikmeter gewaltige Ausmasse hat, wurde vom Ingenieurbüro Bumann in Naters projektiert. «Die Geländeterrasse eignete sich ideal zur Erstellung des Schutzwerks», führt Ingenieur Daniel Bumann aus.
Erschwernisse stellten für die Baggerführer lediglich die langen Zufahrten zur Baustelle sowie die latente Gefahr herunterstürzender Felsen dar. «Deshalb ist das Anrissgebiet des Felssturzes von einer Person während des Baus konstant überwacht worden. Diese konnte die Baggerführer bei Gefahr jederzeit über Funk warnen.» Laut Bumann wurde während der Bauphase mehrmals Alarm ausgelöst. Abgehende Steine blieben allerdings in allen Fällen im Waldstück oberhalb des Damms liegen.
Ersatzroute für gesperrten Europaweg
Probleme stellt das Felssturzgebiet auch für den beliebten Europaweg, der durch den Täschwang führt, dar. Seit dem Felssturz im vergangenen Jahr ist dieser für Wanderer gesperrt. Nun wird aber an einer Ersatzstrecke gearbeitet.
«Solange die Normalroute aufgrund der Gefahrenlage im Täschwang gesperrt ist, könnte der Höhenweg über den schon bestehenden Weg von der Täschalp über den Pfulwenpass Richtung Flüealp benutzt werden. Noch kann dieser wegen der aktuellen Schneelage nicht begangen werden. Wir planen, diesen während des kommenden Sommers im Rahmen der Unterhaltsarbeiten auszubauen», erklärt Klaus Tscherrig, Bergführer und Gemeinderat von Täsch, der mit dem Projekt betraut ist.
Baldige Wiedereröffnung der Hängebrücke in Randa?
Der Felsabbruch am Täschwang hat auch die Pläne für den Wiederaufbau der Hängebrücke oberhalb von Randa als Teil des Europawegs beeinflusst. Die Verantwortlichen wollten das durch einen Steinschlag vor vier Jahren zerstörte Bauwerk auf den Sommer 2014 an einer anderer Stelle neu installieren. «Die neue Brücke wird vorerst nicht realisiert», erklärt Randas Gemeindepräsident Leo Jörger auf Anfrage von 1815.ch. «Wir warten ab, wie sich die Situation am Täschwang weiterentwickelt.»
Laut Jörger wird in der Zwischenzeit abgeklärt, ob die bestehende, aber wegen Steinschlaggefahr gesperrte Brücke in absehbarer Zeit wieder geöffnet werden kann. «Die Felsabbrüche im ‚Grabengufer’ haben massiv nachgelassen, sodass die Brücke in einigen Jahren repariert und wieder freigegeben werden könnte.»









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