Jagd | Kerstin Kummer als «Botschafterin der Jagd»

«Ich schnalle mir nicht einfach nur ein Gewehr auf den Rücken»

Kerstin Kummer aus Bitsch: Jägerin aus Leidenschaft.
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Kerstin Kummer aus Bitsch: Jägerin aus Leidenschaft.
Foto: 1815.ch

Quelle: 1815.ch 3

Seit Anfang März ist die 22-jährige Kerstin Kummer aus Bitsch die «Erste Schweizer Jägerin 2015». Mit ihrem Titel möchte die junge Frau Botschafterin der Jagd sein. Dass sie in einer Männerbranche trotzdem «ihren Mann steht», erklärt sie im Interview mit 1815.ch.

Die Fachzeitschrift Schweizer Jäger hat ihm Rahmen seines 100-Jahr-Jubliäums die erste Schweizer Jägerin erkoren. Der Titel ging an Kerstin Kummer aus Bitsch – einer jungen Frau, die vom Jagdfieber ihres Vaters und ihrer Brüder angesteckt worden ist.

1815..ch: Kerstin Kummer, seit Anfang März gehört der Titel der Schweizer Jägerin einer Bitscherin. Was hat sich verändert?

Kerstin Kummer: Mein «Amtsantritt» hat spannend angefangen; ich traf mich mit den verschiedenen Sponsoren, hielt die Amtsansprache in der Stadthalle Chur im Kanton Graubünden. Nun fangen die öffentlichen Anlässe der Jagdbranche langsam an. In einem weiteren Schritt ist es auch künftig eine Aufgabe von mir, mit den Medien zusammenzuarbeiten, um der Öffentlichkeit aufzuzeigen, was es mit der Jagd auf sich hat.

Reden halten...etwas Neues?

Ich bin, ehrlich gesagt, nicht so die Rednerin – da muss ich mich noch dran gewöhnen. Meine «öffentlichen Auftritte» beschränkten sich vor dem Titelgewinn auf meine Hobbys: Ich spiele Akkordeon und mache manchmal bei Schnitzelbänken mit.

Als «Erste Schweizer Jägerin 2015» hat man eine Botschaft, die man vermitteln möchte: Welche ist das?

Ich möchte, wie gesagt, den Leuten aufzeigen, was es mit der Jagd auf sich hat; Öffentlichkeitsarbeit also. Die Jagd beschränkt sich – salopp ausgedrückt – nicht darauf, zwei Wochen im Wald herumzuschiessen. Ein guter Jäger macht Hegearbeit, er spiegelt, beobachtet, wo das Wild ist. Auch sogenannte Verblendungen von Rehwild gehören dazu: Mit einfachen Hilfsmitteln sollen Ricken – Rehmütter – davon abgehalten werden, ihre Kitze in die Wiesen zu setzen, wo Gefahr durch Mähmaschinen drohen kann.

Eine «Person des öffentlichen Interesses» zu sein: Wie geht man damit um?

Einige der Berichte über meine Person haben mich doch etwas zum Schmunzeln gebracht. Da ich auf Facebook auch Werbung für das Voting des Schweizer Jägers gemacht hatte, erstaunte es mich nicht, dass manche meiner Fotos in Berichten auftauchten.

Stichwort «Facebook»: Wie sieht es mit dem Posieren mit toten Tieren aus? Mit solchen Fotos werden generell immer Negativschlagzeilen generiert.

Leider schmeissen mich auch viele Leute in den gleichen Topf. Als Jäger machen wir traditionellerweise immer ein Andenkfoto. Und das hat nichts damit zu tun, «Spektakuläres» auf Facebook zu posten...

Wie waren die Reaktionen aus dem persönlichen Umfeld?

Es gab doch einige Menschen aus meinem näheren Umfeld, die meine Beweggründe, Jägerin zu sein, nicht nachvollziehen können. Ich esse gerne Fleisch, und ich möchte gleichzeitig wissen, woher das Fleisch kommt, das ich konsumiere. Ich will keine leidenden Tiere. Vom abgepackten Fleisch im Detailhandel kennt man die Geschichte dahinter nicht.

Aber auch negative Reaktionen sind vermutlich nicht selten?

Es gibt schon einige Leute, bei denen ich eher vorsichtig bin: Meine Beweggründe zu erklären, stösst bei jenen generell auf Widerstand. Das verhält sich aber auch in der Politik gleich: Links und Rechts gehen auch nicht Hand in Hand. Wobei wir Jäger mit Tierschützern eigentlich zusammen arbeiten sollten, da im Grunde die gleichen Interessen bestehen. Wir setzen uns für Wald und Wild ein, damit ein gutes Gleichgewicht erhalten bleibt. Dazu gehört auch die Regulierung verschiedener Wildarten; also der Abschuss.

Als Jägerin wird aber nicht nur geschossen...

Nein, meine Aufgabe ist es auch, die Tiere auszunehmen. Sämtliche Arbeitsschritte, die hierfür nötig sind, übernehme ich selber. Und meine Meinung ist auch, dass gerade auch Frauen, die jagen, die gleichen Aufgaben wahrnehmen müssen, wie männliche Kollegen. Nur beim Transport der Tiere kann es natürlich aufgrund des Gewichtes Ausnahmen geben; wobei auch Männer dabei auf Hilfe angewiesen sind.

Apropos: Als Frau Jägerin zu sein, kann in einer von Männern dominierten Branche schwierig sein...

Es gibt glücklicherweise immer mehr Frauen, die jagen. In meiner Runde etwa machten gerade fünf Frauen das Jagdpatent. Ich kenne eine Frau, die als eine der ersten die Jagdausbildung machte – das war nicht einfach für sie, sich unter den Jägern behaupten zu können. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Jäger-Geschwister, Jäger-Vater: Das Jägerblut zirkuliert...?

Wir sind eigentlich keine traditionelle Jägerfamilie. Seit zehn Jahren steht meine Familie in Kontakt mit der Jagd, wobei mein zweitältester Bruder als erster mit dem Jagen angefangen hat. Das war ansteckend für die restlichen Familienmitglieder – ausser für meine Mutter, die keine Jägerin ist, aber auch immer mitfiebert.

Wird dann zusammen gejagt?

Wir haben eine Jagdhütte, von dort aus geht dann jeder seines Weges. Also nein: Wir machen uns jeweils alleine auf den Weg. «Konkurrenzkampf» unter uns Geschwistern gibt es nicht – im Gegenteil: Jeder ist stolz darauf, wenn jemand in der Jagdgruppe Jagdglück hat. Jagen ist für mich Freude an der Natur sowie Ferienstimmung – das ist für mich auch Erholung vom Job als Glasbläserin bei Lonza in Visp.

Welches Tier haben Sie als erstes erlegt?

Insgesamt habe ich auf meiner ersten Hochjagd drei Tiere erlegen können, unter ihnen ein Gemsjährling und eine Hirschkuh. Das erste Tier war ein Hirschstier. Mich überkam damals ein grosses Gefühl von Ehrfurcht; und ich hinterfragte den Tod des Tieres durch meine Hand auch. Denn man hat schliesslich seine Gründe, weshalb man jagt. Im Rahmen meiner Ausbildung, um das Jagdpatent zu erlangen, wurde mir erklärt, dass die Regulation des Wildbestandes durch die Jäger notwendig ist. Da unser Kanton einen grossen Rotwildbestand hat, wären die Schäden an unseren Schutzwäldern allenfalls zu gross, wenn man den Bestand nicht unter Kontrolle halten würde. Viele Menschen teilen diesen Umstand nicht, das weiss ich. Ich weiss, weshalb ich also jage – ich schnalle mir nicht einfach nur ein Gewehr auf den Rücken...

Also auch Erlebnisse der Natur?

Ja, in der Natur habe ich faszinierende Dinge erlebt – etwa als mir ein Eichhörnchen eine Nuss an den Kopf geschmissen hat, als ich auf einem Ansitz sass. Oder wenn ich Füchse beobachten darf, die miteinander spielen. Solche Szenen kann ich stundenlang beobachten und mich daran erfreuen.

rul

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Kommentare

  • chrigel graber - 55

    die liebe frau, die jede waffe als mordwaffe bezeichnet, hat wohl die zusammenhänge in der natur noch nicht ganz bis ans ende durchgedacht!
    in einem punkt muss man dieser frau aber recht geben, es gibt ganz wenige wildarten, wo das argument der regulation vieleicht nicht ganz gerechtfertigt ist. dennoch ist jagd unbedingt notwendig für die regulation vieler arten!

  • Neuhaus Angie - 820

    was ich noch sagen wollte: jedes Gewehr ist eine Mordwaffe, egal was man damit erschiesst, wie kann man nur so eine Waffe überhaupt in die Hand nehmen und noch abdrücken. Wie pervers muss man da sein.

  • Neuhaus Angie - 521

    Mir stehen echt die Haare zu Berge wenn ich das alles lese. Ich bin masslos traurig. Zudem möchte ich betonen, dass wir Tierschützer nie im Leben die gleichen Interessen haben und ganz sicher nie mit Jägern zusammen arbeiten werden. Wir schützen die Tiere und erschiessen sie nicht, weil das nicht nötig ist und schon gar nicht reguliert, wie das Jägervolk immer behauptet.

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