Tourismus | Neue Verbindungsbahn wirft ihre Schatten voraus

Tourismus auf italienischer Seite gefordert

Durch die neue Bahn "Alpine Crossing", die ab 2021 stehen soll, sind die Dörfer auf der italienischen Seite des Matterhorns gefordert.
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Durch die neue Bahn "Alpine Crossing", die ab 2021 stehen soll, sind die Dörfer auf der italienischen Seite des Matterhorns gefordert.
Foto: zvg

Quelle: 1815.ch 0

Die neue Bahn - "Alpine Crossing" - bringt viel Potential mit sich. In Zermatt aber auch in Italien. Die Italiener sind gefordert - eine konkrete Strategie fehlt bislang.

Die Ortschaft Valtournenche in Italien zählt rund 2300 Einwohner. Das Dorf gilt als Wiege des italienischen Alpinismus. Von dort aus starteten im 19. Jahrhundert zahlreiche Abenteurer, um das Matterhorn zu erkunden. Damals ganz ohne Beförderungsanlage, ganz ohne Bahn. Heutzutage sieht das Ganze doch ein wenig anders aus. Skilifte und Bahnen reihen sich aneinander. Ab nächstem Jahr kommt eine weitere dazu. Die neue Bahn "Alpine Crossing". Die Seilbahnverbindung verläuft zwischen der Testa Grigia und dem Klein Matterhorn. Es wird möglich sein innerhalb einer Stunde trockenen Fusses vom Matterhorndorf bis nach Breuil-Cervinia zu reisen. Ein Gewinn für die Schweiz und Italien. Vor allem für letzteres. Denn damit bietet sich der preisgünstigeren italienischen Seite die Möglichkeit, Zermatt gar Logiernächte abzuluchsen. "Das ist natürlich eine Gefahr, dem sind wir uns bewusst. Aber wir glauben, dass wir mit unserem Angebot vor Ort dem entgegenwirken können", sagt Medien- und Contentmanagerin von Zermatt Tourismus Simona Altwegg. Doch nicht nur die Schweiz und Breuil-Cervinia profitieren von der neuen Bahn, auch die Ortschaft Valtournenche. Sie bekommt dadurch touristisch eine völlig neue Bedeutung. Neben Breuil-Cervinia ist nämlich auch das südlicher gelegene Dorf im Tal Valtournenche mit dem Zermatter Skigebiet verbunden. "Die neue Bahn eröffnet uns neue Möglichkeiten, neue Vorteile. Insbesondere in Bezug auf Unterkunftsmöglichkeiten", sagt Nicole Maquignaz gegenüber rro. Sie ist Vize-Bürgermeisterin der Gemeinde. Sie hofft mit dem neuen Transportmittel und dessen Potential auf mehr Touristen im Dorf. Valtournenche ist in die Jahre gekommen. Nicht zu vergleichen mit Zermatt. "Wir müssen unsere Unterkünfte, Restaurants und Geschäfte unbedingt renovieren." Von den Touristenströmen, welche die neue Bahn anziehen werde, könnten sie profitieren. "Das geschieht aber sicher nicht von einem Tag auf den anderen." Die Italiener seien halt immer ein bisschen "hinten drin", sagt Maquignaz. "Wir müssen noch viel von den Schweizern lernen.“ Denn eine klare Tourismusstrategie existiere noch nicht. Ausserdem streben die Italiener mit dem neuen "Alpin Crossin"g den Ganzjahrestourismus an. "Wir haben momentan viel Arbeit im Winter, aber sehr wenig im Sommer und praktisch nichts in der Zwischensaison." Das solle sich nun ändern, hat sich Maquinaz zum Ziel gesetzt.

Währendem, dass die Italiener vom Ganzjahrestourismus träumen, ist man in Zermatt bereits nahe dran. Schon seit Jahren ist dort der Trend zu beobachten, dass die Nebensaison allmählich verschwindet. Auch in ruhigeren Monaten herrscht im Matterhorndorf reges Treiben. Mit der neuen Bahn könnten so noch mehr oder gar zu viele Touristen angelockt werden. Wie es etwa an der Rigi der Fall ist. Dort wurde eine Petition gegen den Massentourismus eingereicht. 800‘000 Besucher pro Jahr seien genug. Zum Vergleich: Zermatt hatte im Jahr 2018 / 2019 über zwei Millionen Frequenzen. Eine Gefahr von Over-Tourism, wie es beispielsweise an der Rigi kritisiert wird, sieht der CEO der Zermatt Bergbahnen AG Markus Hasler aber nicht. "Ich glaube wir sind weit davon entfernt, was auf der Rigi passiert. Man muss sehen, dass diese im Bereich des Massentourismus arbeiten. Und einen tiefen Preis haben." Sie würden sich ausserdem auch nicht in Richtung Billig-Tourismus entwickeln. Das könne sich Zermatt gar nicht leisten. Und das könnten sich auch die Zermatt Bergbahnen nicht leisten. Hasler aber sagt auch: "Letzten Sommer wurden die Stimmen lauter, die sich über zu viele Touristen im Dorf geärgert haben. Es ist schon so, dass die Bahnhofstrasse voll ist im Sommer. Aber ich sage immer, man muss sich immer überlegen, wie wäre es, wenn die Bahnhofstrasse leer wäre. Das wäre auch nicht das Richtige." Auf dem Berg sehe die Situation anders aus. Im Zusammenhang mit dem Projekt "Alpine Crossing“ sei eine Umfrage gemacht worden. Das Resultat: Es seien nicht die Residenzgäste, die die Bahnhofsstrasse verstopfen, sondern Tagestouristen – vor allem aus der Schweiz. Mit der neuen Bahn kommt der Gast während seiner Reise direkt mit dem Matterhorn in Kontakt. In einem Tag kann der Gast von Milano, nach Cervinia und anschliessend nach Zermatt. Inklusive Sicht auf das Matterhorn, Grenz- und Gletscherüberschreitung. Das ein Gast nur das macht und der Tagestourismus so gefördert wird, glaubt Hasler nicht. Eine Person könne nie in einem einzigen Tag die Region erkunden und erleben. "Der Gast will ja nicht nur im Bähnli sitzen und fahren", so Hasler. Dass ein Gast ausserdem nur mehr diesen Weg für seine Reise wählt, kann sich auch eine MGBahn nicht vorstellen, wie Mediensprecher der MGBahn, Jan Bärwalde sagt: "Wir sind positiv gegenüber diesem Projekt eingestellt. Es wertet die Destination Zermatt zum einen auf. Zum anderen ergeben sich auch für uns Potentiale neue Kundesegmente zu erschliessen."

Seit 2002 hat die Zermatt Bergbahnen AG total 530 Millionen Schweizer Franken investiert. 293 Millionen davon in Transportanlagen. Eines der Ziele dabei: Die Erhöhung der Transportzahl, damit die Gäste in Zermatt den Komfort kurzer Wartezeiten geniessen könnten. Die Bergstation des Projekts "Alpine Crossing" befindet sich gleich wie jene des Matterhorns glacier rides auf 3'821 Meter über Meer. Die neue Station wird direkt an die bestehende angebaut damit die beiden Stationen zu einem Gebäude verschmelzen.

sr

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