Ambulanter Sektor | Patienten müssen getrennt abgeklärt werden. Sonst droht Corona-Chaos

Walliser Ärzte organisieren ambulante Abklärungszentren

<b>Umnutzung.</b> Das Zeughaus Kultur (Bild) in Glis wird wie ein ehemaliges Restaurant in Gampel zu einem Abklärungszentrum.
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Umnutzung. Das Zeughaus Kultur (Bild) in Glis wird wie ein ehemaliges Restaurant in Gampel zu einem Abklärungszentrum.
Foto: mengis media

Quelle: 1815.ch 0

Wallis | Potentielle Corona-Patienten sollen getrennt abgeklärt werden. Um andere Patienten zu schützen. Die Zeit drängt.

«In vier bis zehn Tagen geht es los. Der Druck ist hoch.» Monique Lehky Hagen, Präsidentin der Walliser Ärztegesellschaft, will keine Panik schüren. Und trotzdem steht sie unter Strom. Sie sagt, dass in den verschiedenen Konzepten und Szenarien, mit denen man das Coronavirus in Schach halten wolle, der ambulanter Sektor teilweise vergessen worden sei. «Wir müssen nun rasch reagieren. Es geht darum, die Patientenpfade zu trennen. Und dafür brauchen wir ambulante Abklärungszentren», so Lehky Hagen. Im ganzen Kanton sollen es sechs sein, zwei davon im Oberwallis: in Glis und in Gampel. Derzeit werden die konkreten Standorte evaluiert. In Glis könnte es das Zeughaus Kultur sein, in Gampel das ehemalige Restaurant Elite.

Getrennte Patientenpfade

In diesen Zentren sollen Patienten abgeklärt werden, die eine Erkältung, Fieber, Husten oder Atemwegserkrankungen haben und Zusatzuntersuchungen brauchen. Sodass sie nicht in die Praxis ihres Hausarztes gehen müssen und dort andere Patienten anstecken könnten. Bereits heute isolieren Hausärzte potenzielle Corona-Patienten in einem separaten Wartezimmer und überreichen ihnen einen Mundschutz. Da aber Masken und Coronavirus-Testmöglichkeiten bereits zu Mangelware und die Fallzahlen in den kommenden Wochen stark ansteigen werden, wird eine konsequente Patienten-Trennung in den Praxen nicht mehr möglich sein, ist Lehky Hagen überzeugt. Daher brauche es separate Zentren, nur so könne man chronisch kranke Leute sowie Hochrisiko-Patienten schützen. «Wir müssen möglichst vermeiden, potenzielle Corona-Überträger in den Praxen zu untersuchen, um andere Patienten nicht zu gefährden», betont die Präsidentin der Walliser Ärztegesellschaft eindringlich.

So funktionierts

Das von der Walliser Ärztegesellschaft und dem Kanton erarbeitete Konzept sieht eine koordinierte Nutzung der Ressourcen vor. Patienten mit Erkältung und Fieber sollen zuerst die App www.coronacheck.ch konsultieren, die hilft zu entscheiden, ob ein Arzt beigezogen werden soll. Bei Bedarf meldet sich der Patient telefonisch bei seinem Hausarzt oder der Hotline. Nach einer telefonischen Beratung entscheidet der Hausarzt, ob Zusatzabklärungen notwendig sind. Diese werden auf seine Verordnung hin im Abklärungszentrum durchgeführt. «In diesen Zentren werden Zusatzuntersuchungen gemacht, die der Arzt in seiner Praxis nicht machen kann oder will, weil man nicht weiss, ob der Patient infektiös ist oder nicht. Coronavirus-Tests werden nur in Ausnahmefällen und entsprechend den Richtlinien des Bundesamtes für Gesundheit durchgeführt», präzisiert Lehky Hagen. Das Resultat dieser Abklärungen wird wiederum dem Hausarzt mitgeteilt. Der Vorteil sei, dass der Hausarzt seine Patienten kenne und sie so weiter betreuen könne.

Für Abklärungen von Patienten, die nicht primär wegen ihrer Erkältung, sondern wegen anderer Gesundheitsprobleme eine Weiterabklärung und Behandlung nötig haben, werden bei den Hausärzten und Praxen separate Zeitfenster geschaffen, die es ermöglichen, diese Patienten zu versorgen, ohne die Ansteckungsgefahr für andere Patienten zu erhöhen. «Es ist aber extrem wichtig, dass alle Patienten, die erkältet oder grippig sind oder es bis einen Tag vor ihrem Arzttermin waren, dies telefonisch melden, damit der Termin entsprechend angepasst werden kann», appelliert Lehky Hagen.

Spezialisten im Einsatz

Für den Einsatz in den Abklärungszentren sind auch Spezialärzte vorgesehen. Da aufgrund der bundesrätlichen Verordnung viele reguläre Untersuchungen wegfallen, haben diese freie Valenzen. «Wir brauchen aber auch Hausärzte und Praxisassistentinnen und für die logistische Unterstützung den Zivilschutz», führt Lehky Hagen aus, «so können wir die personellen Ressourcen am besten einsetzen.» Neben Glis und Gampel sind in Siders, Martinach, Entremont und im Unterwalliser Chablais ambulante Abklärungszentren vorgesehen. Diese sollen jeweils zu spezifische Zeiten geöffnet sein und sind nur auf Zuweisung durch einen Arzt zugänglich.

Spitäler entlasten

Die Walliser Ärztegesellschaft realisiert die Zentren in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton. Die Dienststelle für Gesundheit teilt mit, dass es primär darum gehe, die ambulante Versorgung zu stärken und die Spitäler zu entlasten. «Hierbei wird das Augenmerk vor allem auf die Sicherheit des Personals gelegt, damit dieses weiss, wie es die verschiedenen Fälle handhaben soll. Es sollen hier insbesondere Prozeduren festgelegt werden, um die Patientenflüsse der ambulanten Praxen anzupassen.» Dabei solle eine Trennung der Abklärung und der Behandlung von potenziell ansteckenden Patienten von den regulären Patienten sowie der Akutpatienten gewährleistet werden, so die kantonale Dienststelle für Gesundheit.

«Die prekäre Situation startet in wenigen Tagen und kann bis zu sechs Monate anhalten»
Dr. Monique Lehky Hagen Präsidentin Walliser Ärztegesellschaft

Crash des Gesundheitssystems verhindern

Lehky Hagen geht davon aus, dass die prekäre Situation in wenigen Tagen startet und bis zu sechs Monate anhalten könnte. In dieser Zeit müsse sich die Bevölkerung bewusst sein, dass das Gesundheitswesen in einem beinahe kriegsähnlichen Zustand funktioniere, man müsse alles daransetzen, einen Crash des Systems zu verhindern. «Ein Mittel sind die ambulanten Abklärungszentren», zeigt sich die Präsidentin der Walliser Ärztegesellschaft überzeugt. Die Bevölkerung soll demnächst informiert werden, wann und wo genau diese in Betrieb genommen werden.

Armin Bregy

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