Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Grenzenlos frei oder Freiheit in Grenzen?

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
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Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
Foto: Walliser Bote

Quelle: RZ 0

Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und Schriftsteller Oskar Freysinger im Wortgefecht.

Peter Bodenmann, ehemaliger SP-Schweiz-Präsident und Hotelier

SVP: Grenzenlos auszonen

Europa wird zu einer Festung. Orban und Salvini haben sich leider durchgesetzt. Die Zahl der Asyl­gesuche ist auch in der Schweiz im freien Fall. Die Kosovo-Albaner haben sich selbst im Oberwallis ­erstaunlich gut integriert. Die aufgestellten amerikanischen Fussballerinnen bieten Trump, dem Vorbild der SVP, gesellschaftspolitisch die Stirn. Der Brexit ist ein Reinfall. 100 Tage vor den Wahlen hat die SVP ihre Themen verloren. Grenzen hin, Grenzen her.

Ich habe Franz Ruppen inhaltlich kritisiert. Konkret und präzise. Und ihn zu einer öffentlicher Diskussion über Spitalfragen aufgefordert. Er drückt sich, weil er ­keine Antworten hat. Stattdessen versteckt er sich unter anderem hinter Jean-Michel Cina, Renato Kronig und Louis Ursprung. Schwache Leistung.

Franz Ruppen wird seinen Nationalratssitz verlieren.

Grund 1: Es gibt im Unterwallis
nur mehr eine SVP-Liste. Der erste SVP-Sitz geht folglich ins welsche Wallis.

Grund 2: Der Wahlkampfleiter der SVP Westschweiz tritt im Unter­wallis mit einer schwachen SVP-Liste an. Damit Addor Nationalrat bleibt.

Grund 3: Franz Ruppen ist der schwächste Walliser Nationalrat in Bern. War ich nie, im Gegenteil.

Grund 4: Der Gemeindepräsident von Naters ist kein Oppositioneller, sondern ein zögerlicher Schwarzer, der politisch in den falschen Suppentopf fiel.

Grund 5: Jetzt sitzt Franz Ruppen zusätzlich in der Aron-Pfammatter-Mausefalle.

In Brig-Glis ist SVP-Stadtrat Patrick Hildbrand für das Bauamt zuständig. Hildbrand will 18 Hektaren Bauland auszonen. Obwohl die Gemeinde Brig-Glis gar kein Bauland auszonen muss. Aron Pfammatter vertritt 38 betroffene Eigentümer, deren Parzellen – im Gegensatz zur nicht gemeldeten Bauschuttdeponie von Louis Ursprung – die SVP auszonen will.

Aron Pfammatter wird sich rechtlich durchsetzen. Denn in Brig-Glis gibt es 1000 Zweitwohnungen weniger, als Patrick Hildbrand laufend – und gegen besseres Wissen – nach Bern melden liess.

Hildbrand hat keine Argumente. Deshalb geht er auf Tauchstation. Zusammen mit Ursprung. Wenn die beiden sich durchsetzen, müssten Naters und die Mehrheit der Oberwalliser Gemeinden noch viel mehr Bauland als bisher vorge­sehen auszonen. Aron Pfammatter hat dies begriffen, Franz Ruppen noch nicht. Der Natischerberg beginnt zu beben. Die Gender-Buben werden böse Lieder singen.

Die SVP muss in Sachen Auszonungen subito eine Kurskorrektur vornehmen. Gefordert ist der schwache SVP-Parteipräsident Franz Ruppen. Er muss Hildbrand und Ursprung zur Vernunft bringen. Dafür fehlt ihm – wie für alles sonst – die Kraft.


Oskar Freysinger, ehemaliger SVP-Staatsrat und Schriftsteller

Grenzenlos frei oder Freiheit in Grenzen?

Jedem halbwegs vernünftigen Menschen ist wohl klar, dass es eine grenzenlose Freiheit auf Erden gar nicht geben kann. Immer stossen wir Menschen ans Limit des Raum-Zeit-Kontinuums, sind sowohl an Naturgesetze als auch an die beschränkten Möglichkeiten unseres Körpers gebunden und dem Alterungsprozess mit abschliessendem Tod unterworfen. Wir können wohl von der grenzenlosen Freiheit träumen, aber die besteht – wenn überhaupt – nur im geistigen ­Bereich. Aus Frust darüber versuchen materialistische Kräfte, wenigstens alle menschengemachten Grenzen abzuschaffen.

Aber auch dies ist keine Gewähr für Freiheit, denn ein kleines, von Grenzen geschütztes Land kann sehr wohl einen Freiraum darstellen – wie zum Beispiel die Schweiz im Zweiten Weltkrieg – und ein weltumfassendes Imperium ein riesiges Gefängnis. Die Freiheit hängt nicht von der Grösse eines Territoriums ab, sondern von seinen Eigenschaften, von der Art und Weise, wie ein Gesellschaftswesen funktioniert. Trotzdem will man uns immer wieder weismachen, die Abschaffung aller Grenzen und Länder bringe den Menschen automatisch mehr Freiheit. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.

Was erlaubt es dem Menschen, eine Identität zu haben, eine einzigartige Persönlichkeit? Wohl das, was ihn von allen anders gelagerten Persönlichkeiten unterscheidet. Wodurch wird eine Identität sowohl definiert als auch geschützt? Durch eine unsichtbare Grenze, an der niemand rühren darf, wenn die persönliche Würde nicht verletzt werden soll. So ist es auch mit den Grenzen eines Landes. Fallen sie dahin, fällt die Abgrenzung zu dem, was anders ist, was sich politisch, kulturell und sozial ­davon unterscheidet, dahin, und dann ist es mit der Identität vorbei. Nun stellen aber verschiedene Identitäten, Länder, Systeme usw. eine Vielfalt dar.

Diese Vielfalt hinwiederum bietet dem Menschen eine Wahl (die es dort, wo alles allem gleichgesetzt wird, nicht mehr geben kann). Die Möglichkeit, eine Wahl zu treffen, begründet ihrerseits die menschliche Freiheit. Sie kann nicht grenzenlos sein, da sie ja von Grenzen bedingt ist, aber diese Freiheit in Grenzen bietet auch die Möglichkeit, jenseits der Grenzen etwas Neues, Unbekanntes, Geheimnisvolles, Faszinierendes – eben ANDERES – zu entdecken und nicht ständig in den Spiegel des eigenen Weltverständnisses zu glotzen.

Zusammengefasst heisst das:

Ohne Grenzen keine Identität.
Ohne Identität keine Vielfalt.
Ohne Vielfalt keine Wahl.
Ohne Wahl keine Freiheit.

Ergo kann es ohne Grenzen keine Freiheit geben.

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