Theater | Hermann Anthamatten führt Regie in Thun

Blick über den Lötschberg

Gefragter Regisseur. Hermann Anthamatten bedauert, dass die Hürden für Amateurbühnen immer höher werden.Foto WB/Alain Amherd
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Gefragter Regisseur. Hermann Anthamatten bedauert, dass die Hürden für Amateurbühnen immer höher werden.Foto WB/Alain Amherd
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BRIG / THUN | Hermann Anthamatten ist in der Oberwalliser Theaterszene längst eine feste Grösse. Der Regisseur ist aber auch jenseits der Kantonsgrenze gefragt. Zwei Mal inszenierte er bereits Märchen am Monbijou Theater in Berlin. Zurzeit ist er dabei, mit der Kyburgbühne Thun das Stück «Blick ins Paradies» zur Aufführung zu bringen.

Nathalie Benelli

Die Alte Öle ist ein kleines, aber feines Theater in der Thuner Altstadt. In diesem Bijou gibt die Kyburgbühne Thun ein jährliches Gastspiel. Die Laientruppe mit sechs Darstellenden setzt auf eine Mischung aus Bewährtem, Komödie und aktuellen Themen. Nach 2015 arbeitet die Thuner Bühne zum zweiten Mal mit dem Regisseur Hermann Anthamatten zusammen.

Am 20. März 2019 feiert «Blick ins Paradies» von Jura Soyfer Premiere. Hermann Anthamatten inszeniert die abenteuerliche Reise des Arbeitslosen Edi, seiner Freundin Käthi und der Maschine Pepi. Wegen Pepi ist Edi arbeitslos geworden. Die Maschine produzierte mehr und schneller als er. Nun ist aber auch die Maschine «freigestellt», da die Produktion ausgelagert worden ist. Der Roboter und das Pärchen unternehmen nun gemeinsam eine Zeitreise. Sie hoffen, den Fortschritt in bessere Bahnen lenken oder gar stoppen zu können. Ist es die Erfindung der Elektrizität, die aufgehalten werden muss, oder vielleicht doch der Buchdruck? Die Reise führt sie von Galvani über Galilei, Kolumbus, Gutenberg, Dschingis Khan, Archimedes und Orpheus direkt ins Paradies, wo man gerade dabei ist, den Menschen zu erschaffen – Beginn der ganzen Misere.

«Es ist eine Reise voll absurdem Humor mit einer feinen Prise Gesellschaftskritik. Und natürlich ist die Geschichte hochaktuell im Zeitalter der Cyborgs und der künstlichen Intelligenz», sagt Hermann Anthamatten. Das Originalstück spielt in den 1930er-Jahren. Das in Thun gezeigte Stück ist eine zeitgemässe Adaption von Hermann Anthamatten. Örtlich verschob er das Geschehen vom ­Donaustrand in Wien an die Aare nach Thun. «Das Stück ist eine anspruchsvolle Komödie mit viel ­Humor», betont der Regisseur. Um gleich lachend hinzuzufügen: «So hoffe ich zumindest. Denn ein paar Tage vor der Premiere nisten sich ja immer die Zweifel ein.»

Ambitionierte Bühne

Der Kontakt zur Kyburgbühne Thun entstand, wie so vieles im Leben, durch Zufall. Hermann Anthamatten besuchte eine Theateraufführung seines Regisseur-Kollegen Beni Kreuzer in Oberrüti. Hier lernte er die Präsidentin der Kyburgbühne kennen. Man kam ins Gespräch und bald schon war klar, dass er genau der richtige Mann für die ambitionierte Bühne war.

«Wir sollten
viel mehr über ­Qualität, statt ­immer nur über ­Professionalisierung ­diskutieren»

Auf die Frage, was die Arbeit mit einem Laienensemble von der mit einer ­Profitruppe unterscheide, meint Anthamatten: «Klar, Profis bringen die handwerkliche Ausbildung mit. Sie bieten dir als Regisseur mehr an. Aber Theater ist nicht nur ‹Körper›, es ist vor allem auch ‹Seele›. Wir sollten deshalb viel mehr über Qualität, statt immer nur über Professionalisierung diskutieren. Qualität und Professionalität gehen nicht immer Hand in Hand.» Die Bedingungen für Amateurbühnen seien in den letzten Jahren stets schwieriger geworden. Es gebe immer höhere Hürden, um Unterstützungen zu erhalten. «Bei vielen tollen Projekten arbeiten Amateure und ­Profis zusammen. Diese Theaterform sollte nicht verloren gehen.»

Hermann Anthamatten hat auf ­diesem Gebiet viel Erfahrung gesammelt. Als Regisseur und Autor hat er vor 30 Jahren das Freie Theater Oberwallis FTO gegründet. Mit dem FTO bringt der vielseitige Theatermacher seither alle zwei Jahre ein Stück auf die Bühne. Darunter finden sich sowohl Klassiker als auch die von ihm selbst verfasste Briger Trilogie «Heimkehr – ein Spiel mit dem grossen Stockalper», «Geo Chavez’ Traum» und «Goudron». Aufsehen erregte seine neue Fassung für das legendäre Freilichtspiel
«Ds Wilt Mandji» in Baltschieder.

Mit offenen Augen

Sein Handwerk hat Hermann An­thamatten von der Pike auf gelernt. An der Uni belegte er Theaterwis­senschaften. Später besuchte er regelmässig in Berlin Regiekurse und ­bildete sich weiter. «Ein Regisseur kann sich täglich weiterbilden», sagt der Briger. Einmal fragte er einen ­prominenten Regisseur-Kollegen um Rat, wie er denn sein Theaterhandwerk weiterhin optimieren könne. Dieser sagte zu ihm: «Sie müssen nur zwei Sachen machen: Bewegen Sie sich mit offenen Augen durchs Leben und ­gehen Sie so oft wie möglich ins Theater. Mehr müssen Sie gar nicht tun.» Genau das tat und tut der 63-Jährige ohnehin. Neben den Proben
zu «Blick ins Paradies» in Thun ist er mit dem Schreiben eines Stücks ­beschäftigt, das er 2020 mit dem FTO im Alten Werkhof in Brig aufführen will. Eine Ödipusgeschichte soll es werden. «Griechische Stoffe sind ­zeitlos. Sie drehen sich um die
grossen Menschheitsthemen wie Schuld, Verantwortung oder Schicksal.» Bis die Proben zu «Ödipus» be­ginnen, dauert es noch. Wer nächstens schon ein von Hermann Anthamatten inszeniertes Stück sehen will, kann vom 20. März bis zum 3. April im Theater Alte Öle in Thun Platz ­nehmen. «Der Blick ins Paradies» ­dürfte amüsant werden.

Nathalie Benelli

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