Open Air Gampel | Royal Republic über Kondome, sture Köpfe und eine spezielle Begegnung

«Ich dachte bloss: Wer ist dieser alte Sack?»

Campino wer? Adam Grahn (rechts) und Hannes Irengârd von Royal Republic
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Campino wer? Adam Grahn (rechts) und Hannes Irengârd von Royal Republic
Foto: WB / Alain Amherd

Quelle: 1815.ch 0

Am Open Air Stammgast, für Royal Republic erst mal ein Unbekannter: Campino ist für die Schweden vom Fremden zum Vorbild mutiert.

Campino von den Toten ­Hosen ist in Gampel eine ­Legende. Ihr habt ihn lange nicht gekannt…

Adam Grahn: «Er muss hier wirklich populär sein. Dort drüben am Container hängt ein Bild von ihm. Als er mich 2011 am ‹Rock am Ring› Backstage bei den Beatsteaks angesprochen hat, hatte ich keine Ahnung, wer er ist. Niemand in Schweden kennt die Toten Hosen. Jedenfalls kam er in seinem grauen Trenchcoat und diesen Haaren direkt auf mich zu und sprach mich mit ‹Hey Adam, das war eine coole Show, cooles Album, wir sollten mal zusammen spielen›. Ich dachte bloss: ‹Wer ist dieser alte Sack?› Sah dann aber meinen Manager, der von Weitem mit seinen Armen ruderte, schnell herbeieilte und mich vorstellte.»

Und nun seid ihr Freunde…

Grahn: «Genau.»

Hannes Irenârd: «Obwohl du ihm beim Tischtennis den Arsch versohlt hast…» (lacht)

Wie ist euer Verhältnis?

Grahn: «Wir sind die besten Freunde. Nein Spass. Die ganze Band ist cool drauf. Aus unserer Sicht sind sie die besten Leute, mit denen man auf Tour gehen kann. Alles ist sehr familiär. Sie kümmern sich um dich. Ich muss ehrlich sein. Ich höre mir ihre Musik noch heute kaum an. Aber mit ihrer Art und ihrem Pioniercharakter sind sie für viele Bands eine grosse ­Inspiration.»

Die «Hosen» sind sehr politisch. Was macht aus eurer Sicht ein Dasein als Rockband aus?

Grahn: «Wir haben uns bewusst dafür entschieden, mit unserer Musik keine politischen Aussagen zu verbinden. Wir beziehen für nichts Position. Wir wollen die Leute mit unserer Musik während 90 Minuten unterhalten. Vergiss alles, was dich sonst belastet und verbring’ mit uns einen tollen Abend. Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass wir nicht viele schlechte Shows haben. Wir nehmen unsere Auftritte sehr ernst. Wer Schlagzeilen braucht, um seine Musik an die Leute zu bringen, sollte doch eher an seiner Musik arbeiten.»

Wie steht es um all die ausgelutschten Klischees über Rockbands: Partys, Alkohol, Sex und Drogen?

Irengârd: «Wir machen sicher manchmal Party. Schauen aber gleichzeitig immer, dass wir auf der Bühne unser Bestes geben können. So haben wir es schon von Anfang an gehandhabt. Wir sind zu stolz auf unseren Beruf als Profimusiker. Das bedeutet für uns die Welt. Wer sich vor der Show vollgehen lässt, wirft das ­alles einfach weg.»

Ihr habt gerade euer viertes Album herausgebracht. Die Musik hat sich dabei von starken Punk-Einschlägen hin zu Country und nun auch mit Saxofonklängen stark verändert. Seid ihr auf der Suche nach eurem Stil oder habt ihr euch einfach verändert?

Grahn: «Wir haben immer unser Ding gemacht. Kürzlich habe ich eine Reaktion auf eines unserer neusten Alben gesehen. Da kam der Vorwurf auf, wir würden uns von etwas steuern lassen, was nicht uns entspräche. Vielleicht sei es Geld oder das Label. Da musste ich lachen. Denn gerade das Gegenteil ist der Fall. Wir haben vier Alben herausgebracht, jedes bei einem anderen Label, da wir jeweils das alte verschreckt haben. Wir haben unsere Art und wer da nicht mitgeht, ist weg vom Fenster.»

Das hört sich nach einem harten Weg an, in eine Position zu gelangen, einfach tun zu können, worauf man Lust hat.

Grahn: «Ja ganz klar. Man muss davon leben können. Hier kommt die langweilige und traurige Seite der Musikwelt zum Vorschein. Leute investieren Geld, um unser Album herauszubringen. Und sie wollen damit natürlich etwas verdienen. Dabei bevorzugen sie die sicherere Variante. Wir wollen aber nicht produzieren, was die wollen, sondern was wir wollen.»

So wie mit dem Saxofon im neuen Album…

Grahn: «Ich wollte einmal etwas Neues ausprobieren. Und so kam es, dass ich in der Demo unseres neuen Songs ‹Fireman and Dancer› auch Saxofon spielte. Unser Manager hat uns dann gesagt, wir könnten unmöglich Saxofon auf unserem Album haben, die Radiostationen würden das nicht spielen. Saxofon sei schwul und nicht modern. Dann haben wir das Saxofone erst recht in jeden Song eingebaut. Und hatten unsere helle Freude daran.»

Irengârd: «Liebe auf den ersten Ton, obwohl ich von uns die grössten Vorbehalte gegenüber dem Instrument hatte.»

Woher kommt die Inspiration der Songs?

Irengârd: «Das kann ich auch nach über zehn Jahren noch nicht ­sagen.»

Grahn: «Und es interessiert uns so was von nicht. Wir haben da keine Regeln. Es kann dumm sein, lustig, was auch immer.»

Gerade der Song «Under Cover» hat eine spezielle Inspirationsquelle…

Grahn: «Wir wurden von einem Kondomfabrikaten angefragt, ob wir für ihre Werbung einen Song schreiben könnten. Das haben wir dann auch getan. Der Riff klingt nach einem perfekten Rhythmus zum Liebemachen. Die Firma hat sich dann aber nie mehr zurückgemeldet. Wir haben es aber aufs Album genommen. Das ist irgendwo auch komisch: Das Kondomunternehmen gewinnt am Ende trotzdem, denn jeder wird zu diesem Song Sex haben und Kondome kaufen.»

Interview: Martin Schmidt

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